Gegendemonstranten versuchen in Lichtenberg, den Aufmarsch von Neonazis zu stoppen. Foto: Eric Richard

Demo-Marathon in Berlin! Etwa 60 unterschiedliche Kundgebungen halten am Sonnabend die Berliner Polizei in Atem. Die meisten der Demos richten sich gegen Rechtsextremismus - so auch in Lichtenberg. Dort haben Hunderte Gegendemonstranten einen Neonazi-Aufmarsch von „Der Dritte Weg“ gestoppt.

Es dauerte, bis sich die Rechtsextremen versammelt hatten. Gegen 15.30 Uhr marschierte dann der kleine Aufzug vom S-Bahnhof Wartenberg mit rund 250 Teilnehmern los. Hunderte von Gegendemonstranten hatten sich zwischenzeitlich rund um die Route der Neonazis positioniert, um diese nach Möglichkeit aufzuhalten. Ein Großaufgebot der Polizei versuchte unterdessen das Demonstrationsrecht der Rechten durchzusetzen. Dabei kam es zu es zu Ausschreitungen und Angriffen auf Polizisten.

Teilnehmer für den Aufzug der Gruppe „Der Dritte Weg“ versammelten sich heute Mittag am S-Bahnhof Wartenberg. Foto: Eric Richard

100 Teilnehmer waren bei der Versammlungsbehörde angemeldet, etwa 250 sind dem Ruf der Gruppe „Der Dritte Weg“ gefolgt. Bereits im Vorfeld des umstrittenen Aufzugs haben Unbekannte Absperrungen sabotiert und umgeschmissen. An einigen Absperrgittern wurde Buttersäure geschmiert, die von Einsatzkräften am Vormittag teilweise abgeschrubbt werden mussten. Um die Mittagszeit versammelten sich zunehmend mehr Gegendemonstranten in Lichtenberg. Die erste Straßensperre war bereits rund fünf Kilometer vor dem Startpunkt des Aufzuges errichtet worden. Ein Großaufgebot der Polizei stand zwischen den Rechtsextremen und den linken Gegendemonstranten. Beamte mehrerer Einsatzhundertschaften sperrten jede Straße ab, die auf die Route der Rechten führte.

Allein auf der Ribnitzer Straße hatten sich rund 500 Linke versammelt, die mit Sitzblockaden versuchten, den Aufzug der Rechten zu stoppen. Die Polizei hat um kurz nach 16 Uhr über Lautsprecherdurchsagen angedroht, Teilnehmer der Blockaden wehzutragen. Mittlerweile ist der Aufmarsch der Rechten rund 100 Meter vor der Blockade zum Stehen gekommen. Die Neonazis forderten die Gegendemonstranten dazu auf, die Straße freizumachen. Die Polizei machte ihre Androhung nicht wahr, was dazu führte, dass die Rechten nun ihre Anschlusskundgebung spontan an dieser Stelle abhalten müssen.

Polizisten haben die Sitzblockade der Gegendemonstranten umstellt. Beamte tragen die ersten Linken weg. Foto: Eric Richard

Kurz zuvor war es bereits vereinzelt zu erheblichem Widerstand von Seiten der Gegendemonstranten gekommen. Insgesamt stehen derzeit mehrere Hundert Gegendemonstranten in dem Gebiet verteilt, die laut skandieren „Nazis raus“. Angriffe auf Einsatzkräfte seien nach Angaben der Polizei vonseiten der Linken ausgegangen. „Es wurden vereinzelt Flaschen und Steine auf Kollegen geworfen. Es gab eine Festnahme, weil ein Gegendemonstrant eine Scheibe eines Einsatzwagens eingeschlagen hat“, erklärt ein Polizeisprecher. In der Zingster Straße wurden kleinere Barrikaden errichtet und Feuer entzündet, hieß es. Mittlerweile sollen noch weitere Personen vorläufig festgenommen worden sein.

Zum Hintergrund: „Der Dritte Weg“ ist eine rechtsextremistische Kleinpartei, die im September 2013 unter Beteiligung einiger ehemaliger NPD-Funktionäre und Aktivisten des im Juli 2014 verbotenen „Freien Netzes Süd“ gegründet wurde.

Die Kundgebung, die am S-Bahnhof Wartenberg enden soll, ist bis 20 Uhr angemeldet. Die Polizei rechnet in dem Bereich mit weiteren Sachbeschädigungen.