Christina Haak zeigt die Beschädigungen an einem Sarkophag.
Foto: Eric Richard

Unbekannte haben auf der Museumsinsel laut „Deutschlandfunk“ und der Zeitung „Die Zeit“ am Tag der deutschen Einheit Dutzende Exponate beschädigt. Demnach wurden mindestens 70 Ausstellungsstücke „mit einer öligen Flüssigkeit bespritzt und sichtbar beschädigt“. Die Polizei gab am Mittwoch einen Zeugenaufruf heraus.

Betroffen sein sollen Kunstwerke und Antiken unter anderem von diesen Einrichtungen: dem Pergamonmuseum, dem Neuen Museum sowie der Alten Nationalgalerie. Täter oder mögliche Motive seien bisher nicht bekannt, die Öffentlichkeit bislang zudem nicht informiert worden. Die Polizei ermittelt wegen Sachbeschädigung. Die stellvertretende Generaldirektorin der Staatlichen Museen zu Berlin, Christina Haak, sagt am Nachmittag, dass die Schadenshöhe derzeit noch ermittelt wird. Es sei aber der bisher umfangreichste Schaden für die Häuser auf der Museumsinsel.

Ein Muster habe es bei der Tat indes nicht gegeben. Täter und Motiv seien noch unklar. Der oder die Täter seien ziellos vorgegangen. Die nicht ätzende Flüssigkeit sei analysiert worden. Die Reinigung der Ausstellungstücke stelle sich als kompliziert dar, weil jede Oberfläche anders sei. Ein Vertreter des Landeskriminalamts sagte: „Wir ermitteln derzeit in alle Richtungen.“

Nach Angaben des „Tagesspiegels“ könnten möglicherweise Anhänger des umstrittenen Kochs Attila Hildmann den Anschlag verübt haben. Den Recherchen nach hatte der Verschwörungstheoretiker bereits im August und September auf seinem Telegram-Kanal behauptet, das Pergamonmuseum sei das Zentrum einer „globalen Satanisten-Szene“ und von „Corona-Verbrechern“.

Warum wurde die Tat drei Wochen lang verschwiegen?

In einem Schreiben des Landeskriminalamtes, dass an verschiedene Besucher ging, bittet das Landeskriminalamt nun um Hinweise. Wörtlich heißt es hier laut „Tagesspiegel“, dem nach eigenen Angaben eines der Schreiben vorliegt: „Sind Ihnen oder Ihrer Begleitung verdächtige Personen aufgefallen? Falls ja, wodurch? Halten Sie ein Wiedererkennen auf Lichtbildern für möglich? Sind Ihnen Beschädigungen in Form von Flecken an einzelnen Exponaten oder auf dem Fußboden aufgefallen? Falls ja, wann und wo?“

Doch warum wurde die Tat drei Wochen verschwiegen? Die Berliner Polizei beantwortet diese Frage am Mittwochmorgen auf Anfrage des KURIER „mit ermittlungstaktischen Aspekten mit hoher Priorität.“ Die Innenverwaltung von Senator Andreas Geisel (SPD) wollte die Angelegenheit nicht kommentieren. Sie verwies auf die eigenständige Ermittlung der Polizei.

Am Mittwochmittag veröffentlichte die Polizei dann erstmals einen Zeugenaufruf. Darin fragte sie, wer am 3. Oktober zwischen 10 und 18 Uhr verdächtige Personen auf der Museumsinsel gesehen, oder verdächtige „Feststellungen in Bezug auf die dort verübten Sachbeschädigungen gemacht“ habe. Auch außergewöhnliche Vorgänge, die „scheinbar nicht zum Alltagsgeschehen auf der Museumsinsel passen“, sollen gemeldet werden.