Anwälte und einer der Angeklagten lassen sich beim Prozessauftakt fotografieren. Pressefoto Wagner

Dreiste Betrüger pickten einfach ein schönes Anwesen heraus und ergaunerten die Millionen-Immobilie mit gefälschten Unterlagen. Die Spur führt ins Clan-Milieu.

Vier Männer stehen nun vor Gericht. Zwei von ihnen sind Brüder und gehören zur Abou-Chaker-Großfamilie: R. (36) und M. (35). Gemeinsam mit Rechtsanwalt Stefan G. (53) und Kaufmann Rainer G. (55) sollen sie ein Rentner-Ehepaar „enteignet“ haben. Ein Grundstück in Friedrichshain, bebaut mit einem Mehrfamilienhaus. Eine Ärztin und ihr Mann sind die Eigentümer. Beide um die 80 Jahre alt.

Die Angeklagten sollen sich im Mai 2019 entschlossen haben, das Anwesen einzukassieren

Die Angeklagten sollen einen Tipp bekommen haben: Die Immobilie sei schuldenfrei, die Eigentümer betagt und selbst nicht in Berlin wohnhaft. Die Angeklagten sollen sich im Mai 2019 entschlossen haben, das Anwesen einzukassieren. Mit etlichen Fälschungen, einer eigens dafür gegründeten GmbH und auch mit Personen, die sich mit gefälschten Ausweisen als die betagten Eheleute ausgegeben haben sollen.

Es geht nun um Betrug im besonders schweren Fall, Urkundenfälschung, mittelbare Falschbeurkundung. Drahtzieher des dreisten Haus-Diebstahls sollen die beiden Brüder sein. Plan laut Anklage: Die Immobilie für sechs bis sieben Millionen Euro weiterverkaufen. Im Fall eines realisierten Gewinns hätten an die Brüder 50 Prozent fließen sollen. Die „Enteigner“ kamen für die wahren Eigentümer wie aus dem Nichts.

Plan: Immobilie für sechs bis sieben Millionen Euro weiterverkaufen

Erst als ihre Wohngebäude-Versicherung die angebliche Kündigung bestätigte, flog der Schwindel auf. Da allerdings waren die Eheleute bereits aus dem Grundbuch gelöscht. Über eine eigens für die abgebrühte Übernahme gegründete GmbH sollen die Angeklagten agiert haben.

Die Anklage geht davon aus: Im Juli wurde ein vermeintlicher Kaufvertrag geschlossen. Preis für die lukrative 3-Millionen-Immobilie: Nur 250.000 Euro. Anwalt G. soll als angeblicher Vertreter der Hauseigentümer aufgetreten sein. Ein Notar habe den Deal beurkundet. Grundbuchbeamte wurden getäuscht: Am 6. November 2019 wurde der vermeintliche Verkauf im Grundbuch eingetragen. Bei einer Razzia im Clan-Milieu im Dezember 2020 wurden dann drei der Angeklagten festgenommen. Vor Gericht schwiegen die vier Männer. Fortsetzung: Dienstag.