Der angeklagte Familienvater sitzt seit Freitag vor Gericht. Foto: Pressefoto Wagner

Ein erbärmlicher Diebstahl: Der nächtliche Klau von 242 Tablets aus einer Oberschule in Gesundbrunnen. War es ein Mann aus der Putzkolonne?

Leonardo D. (26) auf der Anklagebank. Reinigungskraft war er bis zu seiner Verhaftung, ist dreifacher Vater. Zuletzt wohnte er bei seiner Lebensgefährtin in Brandenburg an der Havel.

Am nächsten Tag sollten die iPads in Schülerhände gegeben werden

Er soll die Lieferung der lang ersehnten Geräte zufällig mitbekommen haben: iPads für Kinder aus sozial benachteiligten Familien als Hilfe im Homeschooling in der Corona-Pandemie. Eigentlich hatte man in der Willy-Brandt-Sekundarschule bereits im Herbst damit gerechnet.

Schulleiterin Andrea Frank (49) als Zeugin im Prozess: „Die iPads wurden am 27. Januar ohne Ankündigung geliefert.“ Die wertvolle Fracht wurden umgehend in einen Büroraum mit Alarmsicherung gebracht. Am nächsten Tag sollten die iPads in Schülerhände gegeben werden.

Der Täter nutzte einen Generalschlüssel und einen Transponder-Chip

Die Schulleiterin arbeitete sehr lang: „Ich habe um 23.51 Uhr den Bereich scharf geschlossen.“ Am Morgen der Schock: Alle Tablets weg. An der Tür ein paar Spuren, die auf Einbruch deuteten – vorgetäuscht vermutlich. Denn laut Anklage nutzte der Täter einen Generalschlüssel und einen Transponder-Chip, mit dem er die Alarmanlage außer Kraft setzte. Es soll um 1.51 Uhr geschehen sein.

Die Ermittler befassten sich schnell mit den Reinigungskräften – weil sie mit Schlüssel und Transponder ausgestattet sind. Treffer: Datenträger 2, den die Firma hatte, war um 1.51 Uhr eingesetzt worden. Und am Vortag hatte ein Mitarbeiter in der Schule geputzt. Dort kannte man ihn unter Daniel – tatsächlich heißt er Leonardo D.

Die Tablets im Gesamtwert von 96.800 Euro fand die Polizei nicht

Große Empörung löste der Klau aus. Die Polizei auf Twitter : „Der wirtschaftliche Schaden von 100.000 Euro war nicht die Gesamtsumme. Ihr habt Kindern die Chance genommen, digital ihre Zukunft zu gestalten. Schämt euch!“

Am 10. Februar klickten für den Mann aus einer serbischen Familie die Handschellen. Leonardo D., der seit 2019 für eine Reinigungsfirma gearbeitet haben soll, gilt als Einzeltäter. Die Tablets im Gesamtwert von 96.800 Euro fand die Polizei nicht.

Vor Gericht hüllte sich D., der in Deutschland mehrere Alias-Namen benutzt haben soll, in Schweigen. Der Richter hatte den Fall in Vertretung übernommen und musste feststellen: „Es ist nicht alles an einem Tag zu schaffen.“ Der Prozess platzte im ersten Anlauf. Ab 20. Juli soll die Verhandlung neu beginnen – drei Tage bis 6. August sind dafür bereits geplant.