Der Angeklagte Serghei N. tritt mit Mundschutz vor Gericht auf. Ist er der Killer von Moabit? Foto: Pressefoto Wagner

Er renovierte gerade im Büro und hatte dem Killer den Rücken zugekehrt: Fast 23 Jahre später steht der mutmaßliche Mörder des Bauunternehmers Frank E. (41) vor Gericht. Es ist ein internationaler Krimi.

Ein Auftragsmord war es laut Anklage. Für 1500 DM (knapp 770 Euro) Killer-Lohn. Bauarbeiter Serghei N. (59) soll es gewesen sein, der eine Pistole auf E. richtete, eiskalt abdrückte. Es glich einer Hinrichtung. Zwei Kugeln in den Rücken, ein Schuss in den Hinterkopf.

Was geschah am 3. März 1998 kurz nach 16 Uhr? Trotz intensiver Ermittlungen kam die Polizei nicht weiter. Ein scheinbar nicht zu lösender Fall. Doch 2017 meldete sich in England ein Zeuge – wie Phönix aus der Asche: Bauarbeiter A., der wie Serghei N. aus Moldawien stammt.

Er wurde aus dem Leben gerissen

Sie jobbten damals auf Baustellen in Berlin, waren auch für E. tätig. Dessen Firma aber konnte sich nicht halten. Als die Schüsse fielen, war E. dabei, das Büro für die Übergabe an den Vermieter aufzupolieren.

Wurde Zeuge A. von einem schlechten Gewissen getrieben? Er ging erst in England zur Polizei, sagte dann in Berlin aus. Man glaubte ihm. Die Suche nach N. führte nach Italien, wo er seit Jahren lebte.

Nun der Prozess. N. ist Familienvater. Keine Vorstrafen. Hatte eine Arbeit in Italien. Seine Anwälte: „Er wurde aus dem Leben gerissen.“ Und: „Er hat sich nichts zuschulden kommen lassen.“

Den Mord-Auftrag soll laut Anklage ein Brite erteilt haben: Joseph B. (68), damals in Berlin im Baugeschäft unterwegs, derzeit sitzt er in Großbritannien im Knast. Ein ausgemachter Hochstapler, er soll sich gern als adlig ausgegeben und Anleger ausgeplündert haben. Millionensummen ergaunerte er laut einem Urteil von 2016, bekam siebeneinhalb Jahre Haft, dann noch einmal sieben Jahre.

Serghei N. wurde im August 2020 nach Deutschland ausgeliefert

Die Anklage gegen N. steht und fällt mit dem Zeugen A. Die Verteidiger halten ihn für „psychotisch“. In seiner Aussage 2017 seien seltsame Sätze zu lesen. Und: „Was gibt der Staatsanwaltschaft die Gewissheit, dass es nicht A. war, der Frank E. tötete?“ Oder er spreche vielleicht von Dingen, die sich nur in seiner Psyche ereigneten.

Serghei N. wurde im August 2020 nach Deutschland ausgeliefert. Er will aussagen: „Vielleicht am zweiten Prozesstag.“ Das Gericht kündigte an, es strebe eine aussagepsychologische Begutachtung des Zeugen A. an. Fortsetzung: 10. Februar.