Die Angeklagten (links und rechts) standen am Mittwoch vor Gericht. Pressefoto Wagner

Der kleine Ben verlor den Halt in der Badewanne. Seine Eltern hätten ihn retten können. Doch sie waren mit anderen Dingen beschäftigt.

Mutter und Vater nun wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht: Claudia W. (44) und Abdallah K. (47). Ihr Sohn Ben (Name geändert) kämpfte sich ins Leben mit einer Behinderung. Eine angeborene Hirnschädigung. Er war dreieinhalb Jahre alt, als es zum tödlichen Unfall in der Badewanne kam. Die Anklage: „Die Eltern ließen das Kind, das nicht selbstständig sitzen konnte, mindestens 15 Minuten allein im Badezimmer.“

Das Wasser lief. Ben kniend in der Wanne. Er rutschte weg, geriet mit dem Kopf unter Wasser, verlor das Bewusstsein. Er starb zwölf Tage später an den Folgen des erlittenen Sauerstoffmangels. Warum war der kleine Ben am 6. Juni 2020 allein im Badezimmer in Buch? Der Vater: „Ich habe ihn in die Wanne gesetzt, den Stöpsel gezogen, Wasser leicht fließen lassen.“ Es sei ein Ritual gewesen, Ben in die Wanne zu legen, er habe mit dem fließenden Wasser gespielt.

Der Vater gab zu: „Dann erhielt ich einen Anruf und bin auf den Balkon gegangen.“ Er mache sich seitdem große Vorwürfe: „Ich vermisse meinen Sohn sehr.“ Die Mutter, die sieben weitere Kinder hat, bemerkte das Telefonat ihres damaligen Partners. Die Altenpflegehelferin, die von Stütze lebt, zur Richterin: „Warum sollte ich den Vater kontrollieren?“ Sie habe mit einer Freundin erst in der Küche gesessen, sie dann zur Tür gebracht. Einer verließ sich auf den anderen.

Der Vater telefonierte, die Mutter quatschte mit einer Freundin

36 Minuten dauerte das Telefonat des Vaters. Abdallah K.: „Ich ging davon aus, dass sie es bemerkt und sich um das Kind kümmert.“ Claudia W.: „Ich sah mehrmals nach ihm.“  Das Wasser stieg. Die Eltern bemerkten es nicht. Die Mutter quatschte mit der Freundin, der Vater telefonierte. Die Mutter: „Dann sah ich ihn oben schwimmen.“ Sie habe ihr Kind sofort aus der Wanne geholt – „ich versuchte ihn zu reanimieren, bis der Notarzt eintraf“. Ben wachte nicht mehr aus dem Koma auf.

Die Verteidiger sprachen sich gegen Bestrafung der Eltern aus. Weil sie ihr Kind verloren haben, für immer betroffen sind – „es ist keine weitere Strafe notwendig“. Das Gericht aber: Jeweils sechs Monate Haft auf Bewährung. „Man lässt keine kleinen Kinder allein in der Badewanne, das ist einfach nur falsch“, so die Richterin. Der Stöpsel könne außerdem nicht gezogen gewesen sein – „die Wanne war bis zum Überlaufen voll“. Und: „Das war nicht einmal kurz weggeguckt.“