Mordopfer Stefan T. Foto: Polizei, Privat

Nach einem kannibalistisch und sexuell motivierten Gewaltverbrechen in Berlin ist der mutmaßliche Täter wegen Mordes angeklagt worden. Dem 41-Jährigen Lehrer Stefan R. werde vorgeworfen, vor etwa acht Monaten bei einem per Datingportal vereinbarten Treffen in seiner Wohnung einen etwa gleichaltrigen Mann getötet zu haben, teilte die Staatsanwaltschaft in der Hauptstadt am Dienstag mit. Danach habe er den Toten zerteilt sowie Leichenteile in der Stadt verteilt.

„Die Anklageschrift geht von einer sadistisch-kannibalistisch geprägten sexuellen Tatmotivation aus“, erklärte die Behörde weiter. Über die Zulassung der Anklage und die Eröffnung der Hauptverhandlung gegen den Beschuldigten muss nun das Berliner Landgericht entscheiden. Wie lange dies dauert, ist noch unklar.

Die Auswertung der Handydaten des Toten führten dann zur Wohnung des Verdächtigen

Das Verbrechen war im November nach dem Fund menschlicher Knochen im Bezirk Pankow entdeckt worden. Untersuchungen ergaben, dass es sich um Leichenteile eines schon seit mehreren Wochen vermissten 43-Jährigen aus Berlin handelte. Stefan T. war kurz vor Mitternacht am 5. September verschwunden. Der Monteur im Hochleitungsbau hatte die mit einem Mitbewohner gemeinsam bewohnte Wohngemeinschaft in der Harnackstraße in Lichtenberg verlassen. Seitdem war der 43-Jährige unauffindbar.

Die Polizei vermutet, dass er auf dem Weg zu einer Verabredung war: Er war auf mehreren Dating-Plattformen aktiv und traf sich sowohl mit Frauen als auch mit Männern. Aufwändige weitere Ermittlungen, darunter die Auswertung der Handydaten des Toten führten dann zur Wohnung des Verdächtigen. Dort stießen Polizisten unter anderem auf Blut, weitere Leichenteile und verdächtige Werkzeuge.

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Die gefundenen Knochen sollen komplett fleischlos gewesen sein. Deswegen gehen die Ermittler bisher von einem Kannibalismus-Delikt aus.

Laut Rekonstruktion der Ermittler hatten sich beide Männer am 6. September online über ein Datingportal kennengelernt und noch am selben Tag getroffen. Das spätere Opfer fuhr mit einem Taxi zur Wohnung des Verdächtigen. Dieser habe seinen Besucher dann „zur Befriedigung des Geschlechtstriebs“ getötet, erklärte die Staatsanwaltschaft. Hinweise darauf, dass das Opfer in seine Tötung unter Umständen eingewilligt haben könnte, gebe es nicht.

Der Beschuldigte R. war unmittelbar nach der Durchsuchung seiner Wohnung festgenommen worden und sitzt in Untersuchungshaft. Teile seines Opfers hatte er an verschiedenen Stellen im Bereich Pankow abgelegt. Noch Tage nach seiner Festnahme wurde eines gefunden.