In Frankfurter Hochhaus-Palästen wurden krumme Geschäfte zulasten der Steuerzahler gemacht. Foto: Boris Roessler/dpa

Bundeskriminalamt, Europol, Interpol: Weltweit wird mit Haftbefehl nach dem Neuseeländer Paul Robert Mora (53) gefahndet, der in Deutschland einen Steuerschaden von 113 Millionen Euro mit angerichtet haben soll. Er sollte sich vom 25. März an vor Gericht verantworten, ist aber - vermutlich im Ausland - untergetaucht.

110 Kilo schwer, 113 Millionen Euro unterschlagen: Der Verdächtige. Foto: BKA

Der Gesuchte, ein 110-Kilo-Mann, wird verdächtigt, von 2006 bis 2008 als Abteilungsleiter der HypoVereinsbank mit weiteren Mitarbeitern sowie einem Rechtsanwalt und Steuerberater für einen Investor „Cum-Ex“-Aktiengeschäfte geplant und durchgeführt zu haben.

Sie sollen zu einer Erstattung von Kapitalertragsteuer von über 113 Millionen Euro durch den Staat geführt haben, ohne dass die Steuern jemals gezahlt worden wären. Den wahren Hintergrund der Geschäfte soll der Angeklagte mit neuseeländischer Staatsangehörigkeit bankintern mittels eines Täuschungssystems verschleiert haben.

Das sind „Cum-Ex“-Geschäfte

Bei „Cum-Ex“-Geschäften nutzten Investoren eine Lücke im Gesetz, um den Staat über Jahre hinweg um Milliarden zu prellen. Rund um den Stichtag für Dividendenzahlungen wurden Aktien mit (lateinisch: cum) und ohne (ex) Ausschüttungsanspruch schnell zwischen mehreren Beteiligten hin- und hergeschoben.

Danach wurde über die jeweilige Bank bei den Finanzämtern die Erstattung von Kapitalertragsteuern beantragt, die angeblich mehrmals, tatsächlich aber nur einmal auf die Dividende gezahlt worden waren. Dem Staat entstand ein Milliardenschaden. 2012 wurde das Steuerschlupfloch geschlossen. Mehrere Staatsanwaltschaften und Gerichte bundesweit arbeiten das Thema auf.

Der Angeklagte soll vielfältige Kontakte ins Ausland, darunter nach Neuseeland, Großbritannien, die Schweiz, Australien und Spanien haben, erklärte die Generalstaatsanwaltschaft. Der Mann sollte sich in der Cum-Ex-Affäre vor dem Landgericht Wiesbaden zusammen mit weiteren Angeklagten verantworten.

Laut Spiegel gehört zu den Angeklagten auch der Steueranwalt Hanno Berger, der seit der Durchsuchung seiner Frankfurter Kanzlei und seiner Wohnung 2012 in der Schweiz lebt. Der Prozess wurde aber wegen der Corona-Krise mehrfach verschoben und soll nun am 25. März beginnen.