Die von den Autonomen zerstörte Ausrüstung des ZDF-Teams, das für die Heute-Show gedreht hatte. 
Foto: Christoph Soeder/dpa

Sie sind intolerant, strotzen vor Selbstgerechtigkeit und schrecken auch vor roher Gewalt gegen Unschuldige nicht länger zurück. Aus dem ursprünglichen Kampf der linksautonomen Szene gegen Rechtsradikale  ist längst ein Kampf gegen jeden geworden, der nicht in das krude Weltbild der Chaoten passt. So wie das Kamerateam der ZDF-Sendung Heute-Show, das vergangenen Freitag brutal attackiert wurde.

Das siebenköpfige Fernsehteam hatte bei einer Demonstration gegen die Corona-Regeln gefilmt. Danach wurde es in einer Seitenstraße von mindestens 15 Menschen angegriffen. Der Redakteur, der Kameramann und der Kameraassistent sowie drei private Wachleute wurden verletzt und mussten im Krankenhaus behandelt werden. Der Satiriker Abdelkarim blieb unverletzt. Alarmierte Einsatzkräfte nahmen sechs Verdächtige fest, bei drei von ihnen liegen laut Polizei „Erkenntnisse im Bereich der politisch motivierten Kriminalität links“ vor.

Lesen Sie auch: 1. Mai-Newsblog: Fünf Verletzte bei Angriff auf ZDF-Team der "heute-show" >>

Polizeibekannter Gewalttäter aus dem linken Spektrum

Aus Sicherheitskreisen hieß es am Montag zudem, eine der polizeilich bekannten Personen sei seit 2015 als „Gewalttäter“ aus dem linken Spektrum bekannt. Von den sechs Festgenommenen leben demnach vier in Berlin, zwei haben ihren Wohnsitz in Baden-Württemberg. Weshalb die Linksautonomen das Satireteam mit Faustschlägen, Fußtritten und einer Eisenstange attackierten, ist noch unklar. Berlins Regierender Michael Müller (SPD) sagte dem Deutschlandfunk unter Berufung auf Informationen von Innensenator Andreas Geisel (ebenfalls SPD): „Das sieht alles aus nach einer gezielten Aktion, einer – in Anführungszeichen – Racheaktion für diese Dreharbeiten.“ Näheres wisse er noch nicht. Er hoffe allerdings, der Angriff werde ein juristisches Nachspiel haben.

Das Team der heute-show beim Dreh am Rosa-Luxemburg-Platz am vergangenen Freitag kurz vor der Attacke. Foto: Michael Körner

Zunächst war der Angriff rechten Tätern zugeschrieben und auch auf linken Internetseiten wie Indymedia scharf verurteilt worden. Nachdem bekannt wurde, dass offenbar Linksextreme für die Attacke verantwortlich sind, hat sich die Meinung in autonomen Kreisen schlagartig geändert. Hintergrund: Die Szene hatte gegen eine neurechte Veranstaltung protestiert, bei der auch das später angegriffene ZDF-Team gedreht hatte. Auf der Facebook-Seite „Antifa Kampfausbildung“ wird nun sogar über eine Mitschuld des  Teams spekuliert.   So sei nicht auszuschließen, „dass das Kamerateam Leute ungefragt abgefilmt und gestalkt hat und die Sache dann ungewollt eskaliert ist, als Leute sich das aus Selbstschutz verbeten haben“.

So fühlten sich „bürgerliche Journis wahlweise bei ihrem Hilfsbullen- oder Pressefreiheits-Ego gepackt“ und würden Menschen, die „nicht gefilmt werden möchten“, erst recht in Bild und Ton aufnehmen. Es sei allgemein bekannt, „wie schnell von der ach so neutral-dokumentierenden Presse eine Eskalation ausgehen kann“, heißt es weiter.

Lesen Sie auch: Kein Abstand, kaum Mundschutze: Linke und Rechte ignorieren Regeln: Tausende bei 1. Mai-Demos in Berlin >>

Massive Bedrohung gegen Journalistin der taz

Auch in der Praxis zeigen die Linksautonomen immer öfter, dass sie Pressevertretern feindlich gegenüberstehen. So wurden zwei Autos eines  Kolumnisten der Springerpresse abgefackelt. In einem vom Polizeilichen Staatsschutz als echt eingestuften Bekennerschreiben wurde zudem die Adresse des Mannes veröffentlicht und darauf hingewiesen, dass er hier „mit seinen Kindern“ leben würde. Dabei spielt die politische Ausrichtung der Journalisten  mittlerweile offenbar keine Rolle mehr. So titelte die linksalternative Taz im Januar 2019 in einem Artikel über die autonome Szene in Leipzig  „Danke Antifa“. Im Artikel selbst wird „antifaschistische Gewalt“ als mitunter notwendiger Schutz verklärt.

Doch ausgerechnet eine Kollegin des Autors wurde nur ein Jahr später, also im Januar 2020, Opfer dieser antifaschistischen Gewalt. Die Taz beschrieb den Vorfall in ihrer Onlineausgabe später so: „Ein Demonstrant sagte zu einer Taz-Kollegin, die mit ihrem Handy ein Foto von der Situation in Connewitz machen wollte: Noch ein Foto, dann hau ich dir aufs Maul, und das Handy ist weg.“ Geholfen habe der eingeschüchterten Frau niemand.