Prozess

Freiheitsberaubung: Zwei Berliner Polizisten verurteilt

Eine umstrittene Verkehrskontrolle brachte die Polizisten Bülent L.-K. (49) und Mehmet A. (45) vor Gericht. Dort kassierten sie ein heftiges Urteil

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Bülent L.-K. (links) und Mehmet A. vor Gericht.
Bülent L.-K. (links) und Mehmet A. vor Gericht.Olaf Wagner

Zwei Polizisten standen nach einer nächtlichen Verkehrskontrolle vor Gericht. Raubten sie einen Autofahrer aus - mit 57.000 Euro Beute?

Der Richter nach 20 Prozesstagen: „Jeder Stein wurde umgedreht, doch viele Fragen blieben offen. Das Gericht ist in vielfacher Weise angelogen worden – von mehreren Seiten.“

9 Monate Haft auf Bewährung für die Polizisten

Raub nicht erwiesen, dennoch bestraft: Bülent L.-K. (49) und Mehmet A. (45) wurden zu je neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Schuldig der gemeinschaftlichen Nötigung im besonders schweren Fall und der Freiheitsberaubung, entschied das Landgericht.

Die Strafkammer sehe „keinen Grund, dass die Kontrolle gerechtfertigt war“. Der Autofahrer habe seinen Wagen verlassen, längere Zeit im Polizeiwagen sitzen müssen. Die Angeklagten aber hätten nicht einmal eine Halterabfrage gemacht.

Die Polizisten hatten Rebwar B. (63) am 19. Juli 2023 auf der Stadtautobahn mit Blaulicht gestoppt – nach ihrer Version fuhr er auffällig langsam, sie wollen Drogen oder Alkohol vermutet haben. Uniform hätten sie nicht getragen. Sie seien eigentlich auf dem Weg zur Schwester von A. gewesen, weil er großen Krach mit seiner Ehefrau hatte.

Raub-Anklage wurde abgeschmettert

B. behauptete später, er sei gefesselt worden. Erst sprach er von 57.000 Euro, im Prozess sogar von 357.000 Euro, die ihm aus dem Auto geraubt worden seien. Diese Angaben seien „hanebüchen“, so das Gericht.

Die Anklägerin sah es anders, forderte sechs Jahre Haft. Die Verteidiger plädierten auf Freispruch. Mit Revision wird gerechnet. KE.