Der Angeklagte Sebastian B. (25, re.) vor Saal 4107 im Gericht Foto: Pressefoto Wagner

Er war bei der Feuerwehr, noch auf Probe. Sebastian B. (25) wollte Menschen retten. Doch dann nahm er einer 69 Jahre alten Radfahrerin das Leben.

Als Todesfahrer stand er nun vor Gericht. Bis heute fassungslos über das, was er angerichtet hat. B.: „Es tut mir unendlich leid.“ Warum er die rote Ampel überfuhr, könne er nicht sagen. „Ich habe an drei bis vier Minuten um den Unfall herum keine Erinnerung.“

Der 11. Dezember 2019. Sebastian B. im Mercedes wollte seine Lebensgefährtin von der Berufsschule abholen. Gegen 14.57 Uhr war er am Luisenplatz (Charlottenburg), von der Schlossbrücke kommend, in Richtung Otto-Suhr-Allee unterwegs. B.: „Ich hatte es nicht eilig.“

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Doch er ignorierte die Baustellenampel, die in Höhe Einmündung Charlottenburger Ufer für Autofahrer auf Rot stand. Mit 42 bis 45 km/h zog er an andere Fahrzeuge vorbei, die an der Ampel warteten. Eine Autofahrerin (65): „Ich sah ihn im Seitenspiegel auf der linken Spur - und ich sah, wie die Dame auf dem Rad langsam anfuhr.“

Ines T. (Name geändert) rollte über die Fußgängerfurt - bei Grün für Fußgänger. Sie fühlte sich sicher. Plötzlich aber ein Knall. Eine andere Radfahrerin (50): „Ich drehte mich um. Da sah ich, wie sie mit dem Fahrrad durch die Luft flog.“

Zeugen schilderten: „Der Mercedes-Fahrer stieg sofort aus und half.“ Die Verletzungen aber waren zu schwer. Ines T. starb eine Stunde später im Krankenhaus.

Ein Unfall-Sachverständiger rekonstruierte: „5,5 Sekunden nach Rotbeginn für Fahrzeuge ereignete sich die Kollision.“ Bereits für 1,2 Sekunden habe die Ampel für Fußgänger auf Grün gestanden.

Eindeutig die Frage der Schuld. Der Unfall führte bereits dazu, dass B. seinen Job bei der Feuerwehr verlor.

Der Richter zu B.: „Sie waren gedanklich ganz woanders, nicht beim Autofahren - das darf in einer Großstadt nicht passieren.“ Nur einen Moment nicht aufgepasst - „man sieht, was für Folgen es haben kann“.

Weil es ein „Augenblicksversagen“ gewesen sei, Alkohol, Drogen oder Raserei nicht im Spiel waren, blieb es bei einer Geldstrafe. Der Richter folgte dem Antrag des Anklägers:  (90 Tagessätze zu je 100 Euro).