Die Feuerwehr löschte sechs brennende Fahrzeuge in einer offenen Garage. Foto: Eric Richard

Nur knapp sind die Bewohner eines sechs geschossigen Wohnhauses an der Jahnstraße/Ecke Buschkrugallee am frühen Montagmorgen mit dem Leben davongekommen. Ein Unbekannter hatte Feuer gelegt. Wegen des giftigen Rauchs schwebten die Mieter in Lebensgefahr. Feuerwehrleute und Rettungssanitäter mussten 100 Anwohner betreuen. Sechs von ihnen wurden wegen einer Rauchvergiftung behandelt. Darunter waren auch zwei Kinder. Nach einer Stunde waren die Flammen gelöscht.

Der Brand war in einer offenen Garage unter dem Wohnkomplex ausgebrochen und hatte sich wahnsinnig schnell ausgebreitet. „Jetzt überlege ich mir,  tatsächlich wegzuziehen. Ich habe genug von der Aufregung. Ich bin hier nicht mehr sicher und habe Angst“, sagte eine Anwohnerin am Vormittag. Erst im Dezember vergangenen Jahres habe ein ehemaliger Mieter mehrmals Feuer gelegt, berichtet sie. Er war frustriert und ärgerlich darüber, dass er wegen Schulden ausziehen musste.

In dem Haus wohnen vorwiegend Familien mit mehreren Kindern. Die meisten haben einen Migrationshintergrund. Das weiß auch die Polizei. Ein politischer Hintergrund sei zwar nicht auszuschließen, sagte ein Beamter. Man habe aber keinen konkreten Hinweis darauf, hieß es im Polizeipräsidium. „Wir ermitteln in alle Richtungen“, sagte ein Sprecher. In jedem Fall gehe man davon aus, dass der Brand vorsätzlich gelegt worden ist, sagt ein Ermittler.

Feuerwehr im Großeinsatz in Neukölln. Foto: Pudwell

Das Feuer war gegen 3 Uhr in der offenen Garage ausgebrochen. Ein Anwohner hatte die Feuerwehr alarmiert, die mit mehr als 50 Beamten anrückte. Insgesamt wurden sechs Autos nahezu zerstört. 24 Wohnungen sowie ein Café im Erdgeschoss mussten belüftet werden. Zwei Wohnungen sind nicht mehr bewohnbar. Während des Löschens spielten sich dramatische Szenen ab. So riskierte ein Mieter des Hauses sein Leben für seinen BMW. Während des Brandes sprang er in der Garage in sein Auto, startete es und fuhr damit durchs Feuer ins Freie. Das Auto blieb heil.

Seit Wochen treibt ein Brandstifter in Neukölln sein Unwesen und zündete rund um das Rathaus Autos an. Bislang ist es der Polizei nicht gelungen, den Feuerteufel dingfest zu machen.

Indes wächst die Angst unter den Mietern. Die Frauen sorgen sich um das Wohl ihre Kinder. Einige Männer reden darüber, eine Bürgerwehr aufzubauen, die wegen der Erfolglosigkeit der Polizei nachts Streife läuft. Die Polizei, die von Selbstjustiz abrät, will ihre Streifen verstärken.

Besonders große Sorgen bereitet den Ermittlern auch rechts motivierte Brandstiftungen im Kiez. So wurden in der Vergangenheit mehrfach Brandanschläge auf Personen oder der Eigentum verübt, die sich gegen rechte Tendenzen im Bezirk öffentlich ausgesprochen haben. Eric Richard und Lutz Schnedelbach.