Die über 75 Feuerwehrleute mussten den Brand im Keller des fünfgeschossigen Hauses erst suchen. Morris Pudwell

Brandgeruch hängt in der Luft rund um das Wohnhaus Kurstraße Ecke Jagowstraße in Spandau. Am Abend davor hat es hier zwei Feuer gegeben, eine Frau (54) schwebt in Lebensgefahr. Gegen sie wird ermittelt: Sie könnte gleich zweimal Feuer gelegt haben. Unterdessen herrscht Ratlosigkeit bei Mietern: Die Feuerwehr hatte sicherheitshalber Wohnungstüren eingeschlagen, falls dahinter jemand schlief. Am Tag nach dem Feuer kümmerte sich bis zum Mittag niemand darum.

Gegen 19.15 Uhr hörte ein Bewohner Geräusche im Flur

Gegen 19.15 Uhr hatte ein Bewohner (65) Geräusche auf dem Flur im 1. Stock gehört: „Ich hatte gerade Hanteltraining gemacht, sah zur Tür hinaus und bemerkte Rauch.“ In einer Flurecke fand er eine brennende Couch, rannte zurück, holte in einem Eimer Wasser, ließ die Badewanne volllaufen.

Die Beleuchtung der verrauchten Tiefgarage erweckte den Eindruck, auch hier brenne es.  Morris Pudwell

Beim Löschen fiel ihm eine Nachbarin auf. Nachdem er noch einige Wassereimer auf die Couch gegossen hatte und schließlich um 19.48 Uhr die Feuerwehr alarmiert hatte, bemerkte er wieder Rauch, jetzt aus dem Keller. Dort brannte ein Kellerverschlag, dort fand die Feuerwehr auch die 54-jährige Frau, die geholfen hatte, die Couch zu löschen.  Sie, ein Mann (54) und sein Sohn (10) sowie eine weitere Bewohnerin wurden mit Rauchvergiftung in Krankenhäuser gebracht.

Das Haus musste teilweise evakuiert werden, 17 Bewohner wurden von Feuerwehr und DRK draußen betreut.

Unter diesem Flügel des Hauses brannte es im Keller, auf der Wiese wurde die mutmaßliche Brandstifterin wiederbelebt. Ein Teil der Wohnungen hat jetzt keinen Strom. Gerhard Lehrke

In einem Flügel des früheren Seniorenwohnhauses gibt es jetzt keinen Strom. Eine Bewohnerin, die einen elektrischen Rollstuhl nutzt, muss jetzt zu Steckdosen in Fluren am anderen Ende des Hauses, um ihn zu laden. die Nacht verbrachte sie bei einer Freundin in der Nähe.

Die Feuerwehr hatte Türen eingeschlagen, für den Fall, dass dahinter jemand schlief und durch Rauch in Gefahr war. Gerhard Lehrke

Von den eingeschlagenen Wohnungstüren war am Sonntag keine gesichert. Die Hausverwaltung war telefonisch nicht erreichbar, die Nummer des Hausmeisters funktioniert nicht, der Hauseigentümer, der das Gebäude vor einem Monat gekauft hatte, liegt im Krankenhaus.  Am Ende müsse der Hauseigentümer   laut Polizei und Feuerwehr für neues Schloss oder neue Tür sorgen, das Land Berlin komme für die Kosten auf.

Knapp 70 Wohnungen gibt es in dem Fünfgeschosser

Das bis zu fünf Etagen hohe Haus mit knapp 70 Einzimmer-Wohnungen wirkt heruntergekommen. Die vorherigen Besitzer hätten nur kassiert, sagen Mieter, Brandschutztüren im Keller nicht geschlossen. Der neue Besitzer dagegen habe bereits einige Wohnungen sanieren lassen.