Die Angeklagten Marcin S. (31, l.) und Piotr T. (40, r.)
Pressefoto Wagner

Sie reisen von Stadt zu Stadt und haben nur ein Ziel: Auf dem Bahnhof flink und raffiniert Beute machen. Für vier Männer aber war in Berlin Endstation.

Sie sollen als Mitglieder einer Klau-Bande agiert haben, die sich auf die Masche Ablenkung mit Bargeld vor Fahrkarten-Automaten spezialisiert hatte: Piotr T. (40), Michal B. (36), Jakup M. (33), Marcin S. (31). Sie stammen aus derselben Stadt in Polen. Einer Monteur, einer Dachdecker, einer Koch.

Es geht um 62 Taten mit 14 Opfern. Die Täter hatten sich an Automaten auf die Lauer gelegt, Fahrgäste beobachtet. War die EC-Karte eingeschoben und die PIN eingetippt, wurden die Diebe aktiv.

Bückte sich das Opfer, zog einer der Täter die EC-Karte aus dem Kartenschlitz

Von hinten plötzlich ein angeblich netter Hinweis: „Ihnen ist Geld aus der Tasche gefallen.“ Tatsächlich lag da ein Schein – 10 oder 20 Euro, geschickt platziert. Bückte sich das Opfer, zog einer der Täter die EC-Karte aus dem Kartenschlitz. Dann ging es zum Geldautomaten.

Die Serie begann am 17. Dezember auf dem Hauptbahnhof in Erfurt. Um 16.42 Uhr war ein Fahrgast seine EC-Karte los. Um 16.45 Uhr hatten die Täter sein Konto geplündert – 1000 Euro. Nächste Klau-Stationen waren Köln, Düsseldorf, Dortmund, Münster, Bremen, Hamburg und ab 13. Januar dann Berlin.

Erst auf dem Hauptbahnhof. PIN-Nummer ausgespäht, mit einem Geldschein das Ablenkungsmanöver – „Sie haben Geld verloren“ - die Karte geschnappt. Zack und weg.

Nächster Klau-Halt Bahnhof Spandau, dann über Friedrichstraße zum Alexanderplatz. Zuletzt ging ihnen am 24. Januar auf dem Ostbahnhof eine Frau in die Falle. Sie bückte sich nach einem 5 Euro Schein. Doch Beute war mit ihrer EC-Karte nicht zu machen. Stattdessen klickten die Handschellen. Vor Gericht schwiegen die vier Angeklagten. Der Anwalt von B. meinte: „Dummes Rumstehen wird ihm vorgeworfen.“ Fortsetzung: 9. Juli.