In 841 Fällen soll Muyideen S. (44) auf dem Online-Portal der Deutschen Bahn Tickets in betrügerischer Absicht gebucht haben. Foto: KE.

Wenn er auf Reisen ging, dann setzte er laut Anklage auf Betrug: In 841 Fällen soll Muyideen S. (44) auf dem Online-Portal der Deutschen Bahn Tickets gebucht haben - mit gestohlenen Kontodaten Dritter.

Fährt der Mann dafür in den Knast? Vor einem Amtsgericht ist der Fall nun aufgerollt worden. Eine Masse an Daten trugen Ermittler zusammen. Von November 2013 bis November 2018 soll der Schwindel gelaufen sein.

Fahrten von Berlin nach Düsseldorf gleich für mehrere Reisende für 741 Euro oder von Berlin nach München. Die Anklage geht davon aus: S. nahm fleißig „Bestellungen von Personen entgegen, die ihn um die Beschaffung günstiger Bahntickets gebeten hatten“. Schaden: 150.659 Euro.

Fast jede zweite Bahnkarte wird über digitale Kanäle verkauft. Da versuchen Betrüger natürlich ihren Schnitt zu machen. Muyideen S., geboren in Nigeria, soll vor ein paar Jahren aus Italien nach Deutschland gekommen sein. In Italien allerdings sei er bereits wegen Betruges verurteilt worden.

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Über verschiedene E-Mail-Accounts soll er agiert haben. Teilweise waren Angaben zu den Namen der Reisenden korrekt, in anderen Fällen seien sie fiktiv gewesen. Bei der Zahlung allerdings habe S. stets Daten ahnungsloser Bankkunden eingeben. Das Computersystem der Bahn akzeptierte die illegal erworbenen Kreditkarten-Daten und stellte die angeforderten Fahrkarten auch als Online-Ticket aus, so die Anklage.

Für die wirklichen Inhaber der Daten dann der Schock mit dem Kontoauszug: Sie sollten für fremde Reisen blechen. Weil sie sich wehrten und eine Rückbuchung verlangten, blieb der Schaden schließlich bei der Bahn.

Muyideen S. ging den Cyber-Ermittlern schließlich in Netz. Die Anklage: „Mit dem Ticketverkauf finanzierte sich der Angeklagte seinen Lebensunterhalt.“ Sein „Tatwerkzeug“ sei ein Laptop gewesen. Bis die Polizei kam und das Gerät beschlagnahmte.

Die Anklage lautet auf gewerbsmäßigen Computerbetrug. Vor dem Richter hüllte sich S. zunächst in Schweigen. Bei einem Schuldspruch dürfte es für längere Zeit vorbei sein mit schönen Fahrten: Bis zu zehn Jahre Gefängnis drohen. Fortsetzung: 5. November. KE.