Die Angeklagte Lehrerin traf im Gerichtssaal auf eine milde Richterin. Foto: Pressefoto Wagner

Die Musiklehrerin haute mal richtig auf die Pauke. Als ihr zwei Polizisten die Flötentöne beibringen wollten, geigte sie ihnen mit einem Schuh die Meinung.

Eine Premiere nun für die Lehrerin: Erstmals saß Sabine N. (56, Name geändert) auf der Anklagebank. Fünf Kinder hat die Frau aus Kreuzberg. Sie ist selbstständig und unterrichtet Klarinette, Geige, Bratsche und Klavier.

Es gab Streit mit dem Vater ihrer Jüngsten

Auf tätlichen Angriff auf Vollstreckungsbeamte und Beleidigung lautete die Anklage. Opfer: zwei Polizisten. Sie sollten die Lehrerin weit nach Mitternacht aus einer Bar „begleiten“. Die Anklage: „Sie setzte sich zur Wehr, indem sie mit einem ihrer Schuhe nach den Beamten schlug.“ Und sie schimpfte: „Dummköpfe …!“

Ein Auftritt, der ihr sehr peinlich ist. Die alleinerziehende Mutter nun leise: „Ich kann mich nur noch schemenhaft erinnern.“ Ihre Kinder waren an dem September-Wochenende nicht zu Hause – „ich hatte Zeit“. Doch auch großen Kummer: „Es gab Streit mit dem Vater meiner Jüngsten.“

Allein zog sie um die Häuser. „Es ist ein Brauch von alters her“, dichtete Wilhelm Busch, „wer Sorgen hat, hat auch Likör.“ Von Bar zu Bar ging es. Die Lehrerin: „Zuletzt wollte ich noch einen Kaffee, um klar zu werden. Aber ein Mann sagte, ich solle gehen.“

Die Richterin mit milden Tönen

Weil sie sich weigerte, rief der Wirt die Polizei. Ein Beamter: „Als sie nicht reagierte, führten wir sie vor die Tür.“ Die Lehrerin: „Ich fühlte mich total doof, fing an zu schimpfen wie ein Rohrspatz.“

Die Richterin: „Was war mit dem Schuh?“ Die Lehrerin: „Das waren Sandalen mit Keilabsatz. Als ich dann im Polizeiwagen saß, fehlte mir eine.“ Die andere hatte sie zuvor durch die Luft sausen lassen. Beamter S. (56): „Sie schlug damit. Ich musste ein Lachen unterdrücken. Weil sie so zierlich ist.“

Schmerzlich: S. erlitt eine zehn Zentimeter lange Schürfwunde am Ellenbogen. Der Beamte: „Aber es war nicht so schlimm – zum Glück trug sie keine High Heels.“

Sabine N. entschuldigte sich nun und beteuerte: „Es war eine absolute Ausnahme, dass ich versackt bin.“ Die Richterin mit milden Tönen: Einstellung des Verfahrens gegen 80 Stunden gemeinnützige Arbeit.