Eine Antwort der Berliner Senatsinnenverwaltung auf Anfrage der FDP zeigt, dass sexuelle Straftaten in Berlin zumindest rechnerisch jeden Tag begangen werden. Foto: imago images/Westend61

Am Donnerstag wurden elf Männer wegen der Vergewaltigung einer 18-Jährigen in Freiburg zu Haftstrafen zwischen sechs Monaten und fünf Jahren verurteilt. Der medial intensiv begleitete Fall hatte deutschlandweit für Entsetzen gesorgt. Eine Antwort der Berliner Senatsinnenverwaltung zeigt jetzt, dass derartige Straftaten in Berlin zumindest rechnerisch jeden Tag begangen werden. Das geht aus der Antwort der Senatsinnenverwaltung auf eine Anfrage des fraktionslosen FDP-Abgeordneten Marcel Luthe hervor.

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Demnach ermittelt die Berliner Polizei in 210 Fällen von „gemeinschaftlicher oder besonders erniedrigender Vergewaltigung“ im Zeitraum 1. März 2020 bis 7. Juli 2020. Unter den Opfern waren 50 Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre. Von diesen 50 Opfern waren zudem 16 nicht älter als 14 Jahre.

Lebenslange Folgen für Opfer

Weitere Delikte wie exhibitionistische Handlungen, sexuelle Nötigung oder sexueller Missbrauch werden in der Antwort der Senatsinnenverwaltung gesondert aufgeführt.

„Die absoluten Zahlen sind schlicht erschütternd, besonders wenn man sich die lebenslangen Folgen dieser widerlichen Taten für die Opfer vor Augen führt“, sagte Luthe dem KURIER am Freitag. Bezogen auf die Zahl der minderjährigen Opfer von gemeinschaftlichen oder besonders erniedrigenden Vergewaltigungen, darunter auch ein unter sieben Jahre altes Kind im Juli 2020, sagte der FDP-Politiker weiter: „Dass derart schwere Fälle sogar an einem Kind alles andere als Einzelfälle sind, muss uns alle alarmieren.“

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Der Anti-Mobbing-Trainer Carsten Stahl sagte dem KURIER zudem: „Sexuelle Gewalt an Kindern ist Mord an der Seele jedes betroffenen Kindes, die ein Leben lang darunter leidet und für immer gezeichnet sein wird.“ Er appellierte an die Bevölkerung, „niemals wegzusehen und niemals zu schweigen, wenn Kinder leiden und zum Opfer von Missbrauch, Gewalt, Erniedrigung und Misshandlung werden“.

FDP-Politiker: Anteil ausländischer Tatverdächtiger diskussionswürdig

Neben den Zahlen zu den Taten und den Opfern wollte Luthe in der schriftlichen Anfrage zudem wissen, wie groß der Anteil der deutschen Tatverdächtigen an den von der Polizei ermittelten Tatverdächtigen sei. Bezogen auf die Monate März, April, Mai, Juni sowie die erste Juli-Woche in diesem Jahr sowie dem separat erfassten Straftatbestand „Vergewaltigung im besonders schweren Fall (besonders erniedrigend oder gemeinschaftlich)“, ergibt sich hier laut Senatsinnenverwaltung ein Anteil deutscher Tatverdächtiger von 52,8 Prozent.

„Der weit überproportionale Anteil ausländischer Tatverdächtiger zeigt, dass hier dringend die Ursachen geklärt und transparent diskutiert werden müssen“, so Luthe weiter. Auf dieser Grundlage müsse dann „wirksame Kriminalprävention betrieben werden“.