Die Göttin Justitia ist über dem Eingang des Kriminalgerichts in Moabit (Symbolbild). Foto: dpa/Sven Braun

Moabit – Mit einer Brechstange machte er sich an Bürotüren zu schaffen und landete im Knast. Auf ein mildes Urteil war Hans-Joachim O. (44) nun nicht scharf: Mit Angst vor einer Freilassung mitten in der Corona-Krise saß er vor Gericht.

Ein gelernter Dreher, der zuletzt einen recht gut bezahlten Job bei einem Telefonanbieter hatte. Hochintelligent mit einem IQ von 123. Keine Rolle spielen Alkohol oder Drogen in seinem Leben. Es ist Einsamkeit, die ihn immer wieder kriminell werden lässt. 17 Einträge im Strafregister hat er, saß mehr als 20 Jahre in Haft.

Um neun Fälle ging es nun. Am 18. August hebelte er die Tür eines Unterwäschegeschäfts auf. Beute: 94,60 Euro. Am 2. Oktober schlich er in ein Büro in Moabit. 47 Euro fand er in drei Geldkassetten und 20 Euro in einem Tresor.

Dann die Nacht zum 9. Oktober. Erst versuchte sich O. an der Tür eines Restaurants – ohne Erfolg. Minuten später rüttelte er vergeblich bei einer Firma in Charlottenburg. O.: „Dann bin ich in einem Bürohaus die Etagen abgelaufen.“ Vom 4. runter bis zum 1. Stock. Eine Tür bekam er auf und wurde auf frischer Tat gefasst.

Ein Geständnis nun ohne Wenn und Aber: „Ich gebe es zu.“ Neun Taten. Sechs Mal blieb es beim Versuch. Insgesamt sackte O. gerade einmal 161,60 Euro ein. Der Einbrecher zur Richterin: „Eigentlich brauchte ich das Geld gar nicht.“

Ein Gutachter fand heraus, wieso er nachts irgendwo einstieg: „Hat er lange niemanden zum Reden, zieht er los und bricht ein.“ Sein Ziel: Geschnappt und eingesperrt werden. Der Verteidiger: „In Freiheit erlebt er Isolation wie jetzt viele wegen der Corona-Pandemie, im Gefängnis dagegen hat er Struktur und Halt.“

Der Einbrecher mit Angst vor Abstand hat Glück: Für 14 Monate darf er in den Knast.