Marvin Wildhage (25) hoffte auf einen Freispruch. Pressefoto Wagner

Nie eine Uni von innen gesehen, aber einen Doktortitel im Ausweis: YouTube-Star Marvin Wildhage (25) hatte das Bürgeramt ausgetrickst – und landete vor Gericht.

Der YouTube-Star kam auf Krücken: „Leider ein Sportunfall.“ Seriös sein Outfit: Dunkler Anzug im dezenten Karo, weißes Hemd, Krawatte. Beruf? „Freier Journalist.“ Er publiziert auf seinem YouTube-Kanal – „habe etwa 500.000 Abonnenten“.

Die Schummelei am 15. Juli 2020. Marvin Wildhage hatte einen Termin im Bürgeramt Wedding vereinbart. Er wollte einen neuen Personalausweis beantragen, tischte einer Mitarbeiterin eine angebliche Promotionsurkunde auf.

Als „Doktor der Naturwissenschaften“ wies ihn das Papier aus. Angeblich Mathematiker, Thema „Lineares Gleichungssystem“. Zwei Unterschriften darunter – zwei erfundene Professoren. Die Fälschung wurde nicht erkannt. Eine Mitarbeiterin lobte noch: „So jung und schon Doktor!“ Der YouTuber: „Da wurde nichts geprüft.“

Im Netz dann die ganze Geschichte im Video: „Wie einfach kommt man an einen Doktortitel.“  YouTuber erklärte im Film aber auch: „Ich werde den Ausweis zurückgeben.“ Das erfolgte umgehend.

Für die Staatsanwaltschaft machte er sich der Urkundenfälschung und der mittelbaren Falschbeurkundung strafbar. Wildhage dagegen wollte Freispruch. Sein Verteidiger: „Er wollte deutlich machen, dass es Missstände gibt in der öffentlichen Verwaltung.“

Vorwurf der Urkundenfälschung

Und der junge Journalist: „Ich bin nicht mit der Intention ins Bürgeramt gegangen, eine Straftat zu begehen.“ Journalistisch sei er tätig gewesen, um auf Probleme aufmerksam zu machen. Er habe nicht gedacht, dass er mit dem Fake durchkommen würde. Der Verteidiger sprach von einem „Graubereich“ und regte Einstellung des Verfahrens an. Sein Mandant sei „etwas übers Ziel hinausgeschossen“, das sei ihm auch klar.

Die Staatsanwältin machte nicht mit bei einer Einstellung – schließlich sei die Fälschung ziemlich professionell gewesen. Einen Grafiker hatte der YouTuber an seiner Seite.

Youtuber Marvin Wildhage  hat laut Ausweis einen Doktortitel. Das Bürgeramt hat die Richtigkeit seiner Angaben bei der Neu-Ausstellung des Dokuments nicht geprüft. Sabine Gudath

Die Richterin sah es wie die Anklägerin: Der YouTuber habe sich strafbar gemacht. „Es war nicht offensichtlich, dass es die Uni nicht geben soll.“ Auch die Unterschriften deuteten nicht auf einen Spaß – „da steht nicht Michael Jackson oder so“.

Viel Aufwand habe der YouTuber betrieben, stand für die Richterin fest. Er habe vor allem Aufmerksamkeit erzielen wollen – „durch eine Tat eine Story zu erreichen, das geht nicht“. Das Urteil: 3200 Euro Strafe (40 Tagessätze zu je 80 Euro). Wildhage will Berufung prüfen.