Vier Polizisten fixieren eine Demonstrantin. Das Vorgehen der Polizisten wirkt sehr rabiat.  Foto: Facebook

Fake oder Wahrheit? Zwei Videos von Festnahmen auf der Corona-Demo in Berlin haben am Montag für viel Wirbel gesorgt. In den sozialen Medien wurde verbreitet, dass eine Frau durch das rabiate Vorgehen der Polizei getötet wurde. Eine Schwangere soll zudem schwer verletzt worden sein. Alles Fake, sagt die Polizei.

Es sind Szenen, die Entsetzen auslösen. Eine Frau (60) liegt schreiend am Boden, während vier Polizisten ihr Handschellen anlegen. Einer der Beamten schlägt ihr mit der Faust zweimal kräftig in den Rücken. Aufgebrachte Zeugen haben diese Szene am Rande der Corona-Demonstrationen am Sonnabend gefilmt. Die gewaltsame Festnahme hat sich am Montag rasch in den sozialen Medien verbreitet.

Doch es wird eben auch viel dazugedichtet. So wurde behauptet, dass die 60-Jährige bei der Festnahme derart schwer verletzt wurde, dass sie kurz darauf starb. Das Video, das die Festnahme gegen 13 Uhr am Großen Stern zeigt, soll zuerst über die Telegram-Gruppe „Info Kanal Berlin“ verbreitet worden sein. Anschließend wurde es auf Facebook veröffentlicht, wo es bereits mehrere tausendmal geteilt wurde. In dem Text zu dem Video heißt es: „Diese Frau ist später auf der Fahrt in die Dienststelle an inneren Verletzungen der Halsschlagader verstorben.“

Einer der Beamten (links) schlägt mit der Faust in den Rücken der Frau. Foto: Facebook

Am Montag stellte die Polizei klar: Die 60-Jährige sei zu Boden gebracht worden, weil sie zuvor massiven Widerstand geleistet habe. Sie soll sich laut Polizei an einer unerlaubten Ansammlung beteiligt haben, die zuvor aufgelöst worden war. „Sie kauerte sich auf den Boden und soll einem Polizisten in den Bauch getreten haben. Als die Beamten sie wegtragen wollten, versuchte sie, einer weiteren Dienstkraft in den Arm zu beißen“, erklärte ein Polizeisprecher. Da sie sich weiterhin wehrte, schlug ein Beamter ihr mit der Faust auf den Rücken. Ob gegen den schlagenden Beamten wegen Körperverletzung ermittelt wird, teilte die Polizei nicht mit. 

„Es stimmt nicht, dass die 60-Jährige anschließend in einem Rettungswagen oder Polizeiwagen verstorben ist. Sie erlitt Schürfwunden am Arm und lehnte eine Behandlung der Feuerwehr ab“, so der Polizeisprecher. Die Frau sei anschließend nicht mitgenommen worden, sondern wurde wieder freigelassen.

Schwangere von Polizei festgenommen

Auch die im Internet verbreiteten Hintergründe zu dem zweiten Video entsprechen nach Angaben der Polizei nicht der Wahrheit. Es zeigt, wie Einsatzkräfte etwa 45 Minuten nach der Festnahme der 60-Jährigen eine Schwangere umherzerren, die auf der Erde im Tiergarten kniet. Zeugen rufen immer lautstark, dass die Polizisten Rücksicht auf die Schwangere nehmen sollen. Anders als in den sozialen Medien behauptet wird, gebe es laut der Polizei keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Mutter und des ungeborenen Kindes. „Sanitäter eines Rettungswagens stellten keine Verletzungen fest. Einen Transport in ein Krankenhaus lehnte die Schwangere ab“, so die Erklärung der Polizei. Die Frau soll zuvor eine Absperrung durchbrochen haben. Anschließend soll sie einen Beamten gegen den Helm geschlagen  und ihn angespuckt haben. 

Der genauen Untersuchungen in den Fällen seien aber noch nicht abgeschlossen. Auch das harte Vorgehen der Beamten solle intern aufgeklärt werden, hieß es. lex