Die Angeklagte sitzt seit Donnerstag wegen versuchten Totschlags vor Gericht. Foto: Pressefoto Wagner

Was erst wie ein tragischer Unfall aussah, war laut Anklage ein eiskalter Stoß aus dem dritten Stock – ausgeführt durch eine Frau. Marie S. (20) nun vor Gericht.

Sie soll ihren Kumpel Jeremy M. (22) beinahe umgebracht haben – erst durch Messerstiche, dann durch einen Fenster-Sturz. Die Anklage lautet auf versuchten Totschlag. Mit einer gruseligen Ankündigung soll es begonnen haben: „Sie frage sich, wie viel Blut ein Mensch verlieren würde, wenn er fünf Messerstiche bekommen würde.“

Die Nacht zum 11. Januar. Marie S. war laut Ermittlungen bei ihrem Freund in einem Wohnheim in der Nüßlerstraße (Weißensee). Mit in der Wohnung im dritten Stock soll auch ihr Kumpel M. gewesen sein. Sie hätten gemeinsam gezecht. Bis Marie S. kurz nach Mitternacht zugestochen haben soll.

Sie soll ihn gezwungen haben, auf das Fensterbrett zu steigen

Stiche am ganzen Körper: mittig in die Lendenwirbelsäule, in die rechte Schulter, in das linke Handgelenk, die Flanke, ins Gesäß, in den Oberschenkel, in die Kniekehle, in den Knöchel. Die Anklage: „Sie nahm dabei den Tod des Geschädigten mindestens billigend in Kauf.“

Jeremy M., ein eher schmächtig und zurückhaltender Typ. Er und Marie kennen sich seit Jahren – als gute Freunde. Zwei, die es familiär schwer hatten. Blutend habe er aus der Wohnung fliehen wollen. Die Anklage: „Sie zerrte ihn unter Vorhalt des Messers zurück.“ Sie soll ihn gezwungen haben, auf das Fensterbrett zu steigen – „und versetzte ihm mit den Worten, er werde diesen Sturz nicht überleben, einen Schlag“. Dann habe sie das Fenster geschlossen.

Acht Schnittverletzungen und diverse Knochenbrüche

Er krachte auf ein Vordach, blieb reglos liegen. Er überlebte nur, weil Nachbarn die Rettung verständigten. Lebensgefährlich verletzt und stark unterkühlt kam er in die Klinik. Eine Not-OP rettete sein Leben. Acht Schnittverletzungen und diverse Knochenbrüche stellten die Ärzte fest, darunter Frakturen des 1. bis 4. Lendenwirbels. Ein Stich hatte die Lunge getroffen. Taten, die nicht zu der attraktiven Frau auf der Anklagebank zu passen scheinen.

Sie soll bei der Polizei bestritten und behauptet haben, M. habe sich selbst verletzt und sei von sich aus gesprungen. Vor Gericht will sie am 8. Juni aussagen.