Polizisten sperren den Tatort ab.  Foto: AP Photo/Laurent Cipriani

Es hört nicht auf. Wieder ein Angriff auf einen gläubigen Christen in Frankreich.

Ein französischer Soldat in Lyon. 
Foto:  Philippe DESMAZES / AFP

Ein orthodoxer Priester ist in der französischen Stadt Lyon mit einer Schusswaffe angegriffen und verletzt worden. Ein Verdächtiger wurde später festgenommen.  

Verdächtiger entspricht Beschreibung von Zeugen   

Der mutmaßliche Täter sei auf der Flucht, hatte die Polizei der Nachrichtenagentur AFP kurz nach der Tat mitgeteilt. Später wurde ein Verdächtiger festgenommen. Die Person sei in Polizeigewahrsam, sagte der Staatsanwalt von Lyon, Nicolas Jacquet, am Abend. Demnach hatte der Verdächtige bei der Festnahme keine Waffe bei sich.

Bei dem Festgenommenen könne es sich um die Person handeln, die von Zeugen beschrieben worden sei, erklärte der Staatsanwalt. Die Überprüfung dauere noch an. Das Motiv des Angriffs sei noch unklar, derzeit werde keine Möglichkeit ausgeschlossen, erklärte Jacquet.

Der aus Griechenland stammende Priester war laut Polizei am Nachmittag mit einer abgesägten Schrotflinte angegriffen und schwer verletzt worden. Nach Polizeiangaben war er gerade dabei, seine Kirche zu schließen, als er angegriffen wurde. Der Zustand des 52-Jährigen sei ernst. 

Polizisten sperrten die Umgebung des Tatorts ab. 

Vor dieser Kirche geschah die Bluttat: 

Die kleine orthodoxe Kirche. 
Foto: AP Photo/Laurent Cipriani

Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin hat die Anwohner aufgefordert, sich vom Ort des Geschehens fern zu halten und die Anweisungen der Sicherheitskräfte zu befolgen. Ein Krisenstab wurde einberufen. In einem Tweet hat der EU-Ratschef Charles Michel den Angriff verurteilt. In Europa sei die Gewissensfreiheit für alle garantiert und müsse respektiert werden, Gewalt sei unerträglich und zu verurteilen, schrieb der Politiker.

Die Polizei war auch am Abend noch im Großeinsatz. 

Polizei und Rettungskräfte sind in Alarmbereitschaft. 
Foto: PHILIPPE DESMAZES / AFP

Erst am Donnerstag waren in Nizza drei Menschen bei einem mutmaßlichen Terroranschlag in einer Kirche getötet worden. Der Messerangriff hatte weltweit Entsetzen ausgelöst. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bezeichnete die tödliche Attacke als "islamistischen Terroranschlag", die Antiterror-Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen auf. Regierungschef Jean Castex rief die höchste Terror-Warnstufe für das Land aus.

Wegen der erneuten Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen durch die Satirezeitung "Charlie Hebdo" hat sich die Stimmung in muslimisch geprägten Ländern zuletzt gegen Frankreich aufgeheizt. In Staaten wie Pakistan und Bangladesch gingen zuletzt tausende Menschen bei anti-französischen Protesten auf die Straße.

Auch in Wien hatten 40 bis 50 Jugendliche in einer christlichen Kirche randaliert. Die Ermittler gehen von einem  Zusammenhang mit den Terroranschlägen in Frankreich aus.