Bei dem Überfall waren die Räuber als Müllmänner getarnt. Sie erbeuteten 648.500 Euro. privat

Im Prozess um den dreisten Überfall von „Müllmännern“ auf einen Geldtransporter auf dem Kurfürstendamm im Februar dieses Jahres, bei dem mehrere Hunderttausend Euro erbeutet wurden, ist einer der Täter am Mittwoch zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren verurteilt worden. Zudem soll Muhamed R., Mitglied eines polizeibekannten arabischstämmigen Clans, wegen seiner Drogenabhängigkeit für zwei Jahre in eine Entziehungsanstalt. Das sagte Sebastian Brinsa, der Vorsitzende Richter der 15. Strafkammer, in seiner Entscheidung.

Der Richter wies auch an, bei dem Angeklagten einen Wertersatz in Höhe der Beute von 648.500 Euro einzuziehen. Brinsa fand für die Tat starke Worte. „Der Überfall war ein professionell geplantes und durchgeführtes Lehrstück der Schwerstkriminalität.“ Mit seinem Urteil folgt die Kammer der Forderung der Staatsanwältin. Die Verteidiger des 31-Jährigen hatten hingegen sechseinhalb Jahre Haft gefordert.

Muhamed R. hatte zugegeben, einer der fünf Täter gewesen zu sein, die am 19. Februar einen Geldtransporter vor einer Filiale der Volksbank überfallen und 15 Geldkassen geraubt zu haben. Darin befanden sich 648.500 Euro. Die Täter trugen bei dem Blitzüberfall, der nur 90 Sekunden dauerte, orangefarbene Arbeitsmontur und sahen wie Müllmänner der Berliner Stadtreinigung aus.

Eine DNA-Spur führt zu dem Angeklagten

Muhamed R., der offenbar der Neffe von Clanchef Issa R. ist, hatte einen der drei Geldtransporteure in den Wagen zurückgestoßen, ihn mit einer Schreckschusswaffe in Schach gehalten, dem Mann entwaffnet und ihm Reizgas ins Gesicht gesprüht. Währenddessen warfen feine Mittäter die Geldkassetten in einen großen weißen Sack, den sie im Kofferraum eines mit einem falschen Kennzeichen versehenen Audis verstauten und davonrasten. Das Fluchtauto, einen Monat zuvor auf konspirativem Weg  gebraucht gekauft, wurde wenig später ausgebrannt auf dem Parkplatz eines Supermarkts entdeckt.

Auf den Angeklagten waren die Ermittler durch Videoaufnahmen von Zeugen und einer DNA-Spur gekommen, die am Pullover des Sicherheitsmannes sichergestellt worden war. Der mehrfach vorbestrafte Muhamed R. hatte schon vor Anklageerhebung ein Geständnis abgelegt.

Angeklagter wurden schon wegen eines Autorennens verurteilt

Erst zwei Wochen vor dem Überfall war der Vater von drei minderjährigen Kinder wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und der Beteiligung an einem verbotenen Autorennen zu einer Haftstrafe von einem Jahr verurteilt worden. Da er erst später die Freiheitsstrafe antreten sollte, wurde er aus der sieben Monate dauernden Untersuchungshaft entlassen.

Im Prozess gab er an, dass er mit dem Erlös aus dem Überall seine hohen Schulden aus seinem Kokainkonsum habe bezahlen wollen. Für sein Geständnis war ihm ein mildes Urteil zwischen sechseinhalb und siebeneinhalb Jahren Haft in Aussicht gestellt worden. Die Namen seiner Mittäter gab Muhamed R. nicht preis. Die Staatsanwältin fordert in ihrem Plädoyer nun auch, bei dem Angeklagte für die Beute einen Wertersatz von 648.500 Euro einzuziehen.