Der Dieb steht vor Gericht. Foto: Pressefoto: Wagner 

Schäbiger geht es kaum: Als eine Rentnerin (77) in einem Bus einen Schlaganfall erleidet, greift ein Dieb schamlos nach ihrer Handtasche.

Der gemeine Langfinger nun auf der Anklagebank: Krystian A. (30). Einen Job hat er nicht. Der durchtrainierte Mann zur Richterin: „Ich will ja gern was arbeiten, wenn mir jemand was gibt.“ Handwerklich allerdings könne er nichts. Und einen Beruf habe er nicht erlernt. Womit er sich so beschäftigt? „Ich boxe und mache Kraftsport.“

Am Nachmittag des 18. November saß er in einem Bus. In Höhe Seegefelder Straße in Spandau ging es einer Frau plötzlich schlecht. Sie sackte immer mehr zusammen. Ein Schlaganfall. A. aber zeigte sich von der schlechtesten Seite: Er nutzte die völlig hilflose Lage der Rentnerin aus, schnappte sich ihre Handtasche und machte sich damit aus dem Staub. Um Ursula M. (Name geändert) kümmerten sich andere Fahrgäste. Schnell kam sie in ein Krankenhaus. Sie fragte schließlich nach ihrer Tasche. Eine Geldbörse mit 15 Euro befand sich darin, außerdem Personalausweis, Bank- und Versichertenkarte, Handy - und auch die Wohnungsschlüssel.

Sofort wurde die Polizei verständigt. Beamte fuhren zur Adresse von Ursula M. in Spandau. Die Wohnungstür war verschlossen. Die Polizisten postierten sich eine Etage höher, warteten. Sie lagen mit ihrer Vermutung richtig: Eineinhalb Stunden nach dem Diebstahl machte sich ein Mann an der Wohnungstür zu schaffen. Er wollte Schränke und Schubladen nach Beute durchwühlen.

Doch als er den Schlüssel ins Türschloss steckte, klickten für ihn die Handfesseln. Sie hatten einen „Stammkunden“ gestoppt: Krystian A. hat eine Latte von Vorstrafen - auf 15 Einträge im Bundeszentralregister hat er es bereits gebracht, wurde unter anderem wegen Diebstahls, Betrugs, Bedrohung verurteilt. Drei Mal gab es Gefängnisstrafen, die er nicht voll verbüßen musste: Rest zur Bewährung ausgesetzt. Als er Ursula M. im Bus beklaute, stand Krystian A. unter dreifacher Bewährung. Wie er sich seine Zukunft vorstelle? „Ich würde gern als Security arbeiten. Oder vielleicht Fitness-Coach.“

Darüber und über seine schäbige Tat kann er im Knast nachdenken: Wegen Diebstahls und versuchten Wohnungseinbruchsdiebstahls ein Jahr und vier Monate Gefängnis.