Mit diesem Plakat protestierten Freunde aus der Berliner Technoszene gegen die Inhaftierung von DJ Denis Kaznacheev.
Foto:  Denis Kaznacheev

Sieben Wochen lang saß Denis Kaznacheev in einem Berliner Knast. Der russische DJ, der schon länger in der Hauptstadt lebt, soll laut den USA Hunderte Millionen Dollar im Darknet gewaschen haben. Seit Mittwoch ist er nun wieder frei. Seine Freunde aus der Technoszene haben ihn diese Woche freigekauft.

Die Verhaftung des Musikers hatte seit Ende Mai für Spannungen zwischen den USA, Russland und Deutschland gesorgt. Die USA fordern seine Auslieferung, weil der russische Staatsbürger jahrelang für Cyber-Kriminelle Millionen-Coups gedreht haben soll. Russland will eine Auslieferung um jeden Preis verhindern. Zwischen den streitenden Großmächten versucht ein Berliner Anwalt Kaznacheevs Kopf aus der Schlinge zu ziehen. 

Der 36-Jährige kann erst mal durchatmen. Am Montag hat das Kammergericht in Berlin entschieden, dass der DJ Haftverschonung bekommt, wenn eine Kaution hinterlegt wird. Seine Freunde und Fans aus der Berliner Technoszene haben für ihn Geld gesammelt. „Dabei handelt es sich um keine absurde Summe“, erklärt sein Anwalt Jonathan Burmeister dem KURIER. Wie hoch die gezahlte Kaution ist, wollte der Anwalt nicht sagen. Er bestätigt aber, dass sein Mandant am Mittwoch unter Auflagen die JVA Moabit verlasen hat. Kaznacheev darf Berlin allerdings nicht verlassen. Dreimal in der Woche muss er  sich persönlich bei der Polizei melden. 

Mit der Entscheidung des Kammergerichts schwindet der von den amerikanischen Behörden aufgebaute Druck. Wenn es nach der US-Justiz geht, soll der DJ seit 2010 im Darknet Straftaten begangen haben. Er soll für russische Cyber-Kriminelle allein im Zeitraum von zwei Jahren 310 Millionen Dollar gewaschen haben. Er selbst soll zwischen 3,1 bis 15,5 Millionen Dollar Provision erhalten haben. 

Der Musiker beteuerte von Anfang an seine Unschuld. Er lebt in einer kleinen Wohngemeinschaft und ist stets klamm, heißt es aus seinem Umfeld. Sein Anwalt berichtete, dass er zuletzt nicht mal wusste, wovon er die Miete zahlen sollte. 

Sein Anwalt geht davon aus, dass die Täter die Daten und Fotos vom DJ benutzt haben, um die Straftaten zu begehen. Kaznacheev sagte zudem aus, dass er einen flüchtigen Bekannten an seinen Computer gelassen habe. Dieser Mann sei von den USA verhaftet worden. In den Vernehmungen habe der Verdächtige der US-Justiz mehrere Namen genannt, darunter auch den des Berliner DJ. 

Der Fall wird in Russland genau verfolgt. Die Regierung dort hatte nach der Verhaftung über die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, mitgeteilt, dass eine Auslieferung an die USA für Russland inakzeptabel sei. Doch auch nach der bezahlten Kaution läuft das Auslieferungsverfahren weiter. Kaznacheev muss weiter bangen. Der DJ und seine Freunde wollen deshalb am Sonnabend vor der JVA Moabit gegen die Auslieferungspolitik der USA demonstrieren.