Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck sitzt vor Beginn ihres Prozesses wegen Volksverhetzung in einem Gerichtssaal.  Foto: dpa/Zinken

Schwarzes Kostüm, weiße Bluse mit großem Kragen, das Haar schlohweiß: Ursula Haverbeck (92), die Grand Dame der Holocaust-Leugner gab sich gut gelaunt, als sie erneut vor Gericht musste.

Deutschlands schlimmste Holocaust-Leugnerin war erst vor einigen Tagen aus dem Gefängnis in Bielefeld entlassen worden. Nach zweieinhalb Jahren Haft, die aus zwei Urteilen gebildet worden waren. Keinen Tag schenkte ihr die Justiz – voll verbüßen musste die Witwe aus Nordrhein-Westfalen, die so unbelehrbar ist.

Nun vor dem Amtsgericht Tiergarten. Haverbeck kam mit weiteren Rechtsextremisten. Unter ihnen Nikolai N., der selbst ernannte „Volkslehrer“ aus Berlin. Ihm hatte sie im März 2018 ein Interview gegeben. Wieder behauptete die Witwe laut Anklage, dass das Konzentrationslager Auschwitz kein Vernichtungslager, sondern ein Arbeitslager gewesen wäre. Die Grand Dame der Holocaust-Leugner wetterte nun: „Das ist der zehnte Prozess zur selben Sache.“ Die Witwe starrsinnig: „Sie können mir nicht irgendwas erzählen.“ Und sie schimpfte: „Ich verstehe die ganze Veranstaltung nicht.“

Ihr Verteidiger drängte auf Einstellung des Verfahrens. Der Anwalt, der häufig Rechtsextremisten vertritt: „Wegen ihrer Schwerhörigkeit kann sie dem Verfahren nicht folgen.“ Der Richter ruhig: „Dann bekommt sie Kopfhörer.“ Klappte tadellos. Der Anwalt: „Die Anklage ist unwirksam.“ Antrag abgelehnt. Nikolai N. war 2018 von der Bildungsverwaltung rausgeschmissen worden. Weil er über seinen YouTube-Kanal braunen Dreck und braunes Gift verbreitete. Er klagte vor dem Arbeitsgericht, scheiterte aber. Berlin muss keinen Lehrer beschäftigen, der im Internet den Rechtsstaat verunglimpft.

Haverbeck „plauschte“ mit ihm ganz innig. Der Richter spielte die Szenen vor. Die Witwe barsch: „Kenne ich doch. Was hat das mit dem Holocaust zu tun.“ Und dann bubbelte sie: „Ich muss heute noch nach Hause, habe keine Übernachtung bekommen.“ Sie war nach ihren Angaben jahrelang in der „politischen Erwachsenenbildung“ tätig.

Sie und ihr Mann führten eine Bildungseinrichtung, so die Frau aus Vlotho (Ostwestfalen). Seit 2004 allerdings zieht sie durch die Strafgerichte quer durch die Bundesrepublik. Auch in Berlin wurde sie bereits verurteilt - sechs Monate Knast gab es im Oktober 2017. Allerdings ist die Strafe noch nicht rechtskräftig. Zehn Monate Haft aus Hamburg sind auch noch offen. Am 4. Dezember geht es in Berlin weiter, mit N. als Zeugen. KE.