Rapper Bushido mit seinem Rechtsanwalt im Gerichtsaal. Olaf Wagner

Als freie Männer kommen die angeklagten Clan-Brüder zu ihrem Prozess in das Berliner Gericht. Es geht um mutmaßliche Straftaten gegen Rapper Bushido. Es könnte spannend werden, wenn jetzt Musiker-Ehefrau Anna-Maria Ferchichi als Zeugin zu Wort kommt.

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Der Rapper Bushido war ein gewissenhafter Zeuge. Ins Landgericht Berlin kam er auch mit Hexenschuss. An genau 25 Prozesstagen breitete er im Gerichtssaal sein früheres Leben aus - wortgewandt, schlagfertig, manchmal sehr emotional. Immer wieder schwirrten Millionenbeträge durch die Luft, gezahlt an seinen früheren Geschäftspartner, den Berliner Clanchef Arafat A.-Ch. Der 45-Jährige aus einer arabischstämmigen Großfamilie sitzt zusammen mit drei Brüdern auf der Anklagebank.

Es geht abwärts: Den Berliner Clanchef Arafat A.-Ch. auf den Treppen des Gerichts. Olaf Wagner

Seit zehn Monaten läuft der Prozess, in dem mutmaßliche Straftaten zu Lasten von Bushido angeklagt sind. Ein Ende ist nicht in Sicht. Weitere Verhandlungstermine bis Dezember sind festgelegt. Dem 45-jährigen Hauptangeklagten Arafat A.-Ch. werden Beleidigung, Freiheitsberaubung, versuchte schwere räuberische Erpressung, Nötigung und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Die Brüder sollen Mittäter sein.

Die insgesamt vier Angeklagten schweigen bislang im Prozess. Zu den Prozessterminen kommen sie als freie Männer oft locker angeschlendert, meist auf den letzten Drücker und äußerlich entspannt. Jeder von ihnen hat mindestens zwei Anwälte.

Die Schwester von Sängerin Sarah Connor gilt als starke Frau an Bushidos Seite.

Bushido, mit bürgerlichem Namen Anis Ferchichi, wurde hingegen stets von mehreren vermummten Personenschützern begleitet ins Gericht gebracht. Auch seine Ehefrau Anna-Maria Ferchichi wurde als bedroht eingeschätzt und hat Personenschutz. An diesem Montag wird die 39-Jährige nun als Zeugin im altehrwürdigen Saal 500 des Kriminalgerichts erwartet. Die Schwester von Sängerin Sarah Connor gilt als starke Frau an Bushidos Seite.

Seiner Frau sei es zu verdanken, dass er den Schritt zur Trennung von Arafat A.-Ch. gewagt habe, so der Rapper im Prozess. „Sie ist der Grund, warum ich irgendwann meinen Scheiß-Mut zusammengenommen habe.“ Er sei bereit gewesen, 1,8 Millionen Euro Trennungsgeld zu zahlen, um das Kapitel A.-Ch. hinter sich zu lassen, um seine Familie zu schützen. „Hätte er damals das angenommen, was ich ihm angeboten habe, würden wir hier alle nicht sitzen.“

Er sei schockiert gewesen, als er von der Bedrohung seiner Frau und Kinder im November 2018 erfahren habe, berichtete der Musiker. Er sei verzweifelt gewesen und habe sich nicht sofort offenbaren können. Aus „«Angst und Ehre»“ habe er geschwiegen. Erst im Januar 2019 habe er dann gegen Arafat A.-Ch. bei der Polizei ausgesagt. „Weil eine Grenze überschritten worden war.“

Bushido hatte seine Beziehungen zu Arafat A.-Ch. aufgelöst - nach mehr als einem Jahrzehnt privatem und geschäftlichem Miteinander. Dieser habe das laut Anklage nicht akzeptieren wollen und unberechtigt eine Millionen-Zahlung sowie die Beteiligung an Bushidos Musikgeschäften für 15 Jahre gefordert. Der Rapper sei bedroht, beschimpft, im Januar 2018 in einem Büro eingesperrt und mit Wasserflasche und Stuhl attackiert worden.

Immer wieder kämpfte Bushido mit den Tränen

Rapper Bushido hatte sich verletzlich und psychisch belastet gezeigt, der wichtigste Zeuge kämpfte auch mit den Tränen. „Die Sache vor Gericht nagt an meinen Kräften.“ Er habe Angst- und Panikattacken, bekannte der 42-Jährige. Zu einer solchen Attacke kam es demnach in einer Prozesspause. „Ich habe alles getan, damit es nicht auffällt“, sagte Bushido. Er wolle „gewissen Leuten keine Genugtuung verschaffen“.

Er müsse sich als Zeuge auch seinen eigenen Fehlern stellen, so Bushido. Die Beziehung zu Arafat A.-Ch. sei wie eine Zwangsheirat gewesen, resümierte der Musiker. Er habe jahrelang „alles geschluckt“, dabei „unfreiwillige Zahlungen“ über sich ergehen lassen und so getan, als wären er und Arafat A.-Ch. beste Freunde. Seine damalige Überzeugung sei gewesen: „Arafat wird das bekommen, was er will, ob mit Gewalt, mit psychischer Gewalt, egal mit was.“

Auf Instagram verkündete Bushido, dass er mit seiner Frau Drillinge erwarte

Es gab Zeiten, in denen die beiden zusammen auf roten Teppichen posierten. Im Prozess meinte Bushido, Arafat A.-Ch. denke bis heute, dass er ihm gehöre. Er habe sein Gesicht wiedererlangt, indem er sich gegen den Clanchef gestellt habe, betonte Bushido. Er gab Einblicke in eine Branche, in der es um das große Geschäft, um Millionen geht. 30 Prozent der Einnahmen an den Manager abzutreten, sei in der Branche üblich gewesen, berichtete der Rapper. In etlichen Fällen habe er aber mehr gezahlt.

Bushido mit seiner Frau Anna-Maria. Auf Instagram verkündete er, dass er mit seiner Frau Drillinge erwarte. „Bei all den Strapazen, hat uns das Schicksal einfach so unglaublich beschenkt“, schrieb Bushido auf seinem Instagram-Kanal. Instagram/Bushido

Derzeit strahlt der Rapper wieder. Auf Instagram verkündete er, dass er mit seiner Frau Drillinge erwarte. „Bei all den Strapazen, hat uns das Schicksal einfach so unglaublich beschenkt“, schrieb Bushido („Sonnenbank Flavour“) auf seinem Instagram-Kanal. Das Paar hat bereits vier gemeinsame Kinder, darunter ein Zwillingspaar, Anna-Maria hat außerdem einen Sohn aus erster Ehe. Auf dem geposteten Foto halten beide die Hände auf ihren Baby-Bauch.