Ein Polizeiwagen steht am Sonntag im Görlitzer Park.  Foto: Eric Richard

Die Corona-Krise macht vor niemandem halt, auch nicht vor dem Verbrechen in unserer Stadt. Dem Covid-19-Virus ist es natürlich egal, bei wem er sich einnistet. Das wissen auch die Dealer vom Görlitzer Park und passen jetzt ihre illegalen Geschäfte der Krise an – sie verkaufen ihren gefährlichen Stoff zunehmend mit sicheren Handschuhen. Was sich nicht geändert hat: Von der Polizei lassen sich die Dealer noch immer  nicht stören, geltendes Kontaktverbot hin oder her.

Am vergangenen Sonntag wirkt der Görlitzer Park bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel beinahe wie ein Oase der Normalität in Zeiten von Corona. Dutzende meist afrikanische Männer mittleren Alters bevölkern die Wege im Görli, sprechen Passanten an, ob sie Drogen haben möchten. Mal bleibt es bei der einfachen Frage, mitunter werden die Verkäufer allerdings auch aufdringlich bis aggressiv, wenn man die Aufforderung zum Drogenkauf ablehnt. Auffällig: Mehrere der Dealer stören sich zwar nicht an der ebenfalls im Park anwesenden Polizei. Dafür scheinen die Männer Angst vor dem neuen Virus zu haben.

Übliche Latexhandschuhe schützen überhaupt nicht gegen Viren

An mehreren Stellen sind Dealer zu beobachten, die blaue Einweghandschuhe tragen. Man sieht anhand der Gesten und der Handzeichen, dass ihre Komplizen ohne Handschuhe die derzeit heiß begehrten Latexprodukte ebenfalls gut finden - sei es die Daumen-hoch-Geste oder interessiertes Anfassen besagter Handschuhe. Zumindest die einfachen Ausführungen schützen allerdings keineswegs vor einer Ansteckung. So heißt es beim Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA), dass handelsübliche Schutzhandschuhe der Klasse Eins, wie sie auch in Arztpraxen verwendet werden, zwar gegen Bakterien und Pilze, nicht aber gegen Viren helfe. Der Grund: Viren sind deutlich kleiner als Bakterien und können die Handschuhe der Klasse Eins durchdringen.

Von der „normalen“ Polizei wurden die auch in eigentlich verbotenen Gruppen herumstehenden Dealer  zudem weitestgehend in Ruhe gelassen. Erst als die seit kurzem aktive Brennpunktstreife auftauchte, leerte sich der Park plötzlich wie von Geisterhand.