Der Angeklagte (l) sitzt in einem Gerichtssaal und hält sich eine Pappe vor dem Gesicht. Der 41 Jahre alte Lehrer muss sich wegen mutmaßlichem Mord verantworten. Der Beschuldigte soll einen 43-jährigen Mann, den er kurz zuvor über ein Dating-Portal kennengelernt hatte, in seiner Wohnung getötet haben. dpa/Zinken

Monteur Stefan T. (43) ging bestens gelaunt zu einem kurz zuvor verabredeten Sex-Date. Doch er soll an einen Mann mit grausigen Fantasien geraten sein.

Zweiter Tag im Prozess gegen den Lehrer, der als „Kannibale von Pankow“ gilt. Stefan R. (41) muss sich wegen Mordes mit Verdacht auf Kannibalismus verantworten. Die Anklage: „Er tötete in seiner Wohnung in Pankow Stefan T., weil er geschlechtliche Befriedigung suchte und Teile der Leiche verspeisen wollte.“

Der Mitbewohner des Monteurs ist nun der erste Zeuge. Jan S. (43): „Er war ein sehr guter Mensch, mein bester Freund.“ Lebenslustig sei T. gewesen, habe sich öfter über Dating-Plattformen mit Frauen, mal mit Pärchen verabredet. „Dass er sich auch mit Männern traf, war mir nicht bekannt.“

Stefan T. habe sich auf ein Date gefreut, vermutlich noch Viagra-Pillen in die Tasche gesteckt und ein Bier für den Weg

In der Nacht zum 6. September verließ T. die Wohnung. Jan S.: „Er war bester Laune.“ T. habe sich auf ein Date gefreut, sich zurecht gemacht, vermutlich noch Viagra-Pillen in die Tasche gesteckt und ein Bier für den Weg.

Stefan T. kehrte nicht in die Wohnung in Lichtenberg zurück. Jan S.: „Ich habe ihm viele Nachrichten geschickt, aber nichts mehr gehört.“ Wochenlang galt der Monteur als vermisst. Bis Spaziergänger am 8. November an einem Waldstück einen Beinknochen fanden.

Lehrer R. soll T. ermordet, die Leiche in seiner Wohnung mit speziellen Werkzeugen zerteilt haben

Lehrer R. soll T. ermordet, die Leiche in seiner Wohnung mit speziellen Werkzeugen zerteilt, Leichenteile dann zwei Tage später mit Carshering-Autos weggebracht und an verschiedenen Orten abgelegt haben. R. schweigt bislang.

Potenzsteigernde Mittel, Bier, manchmal Kokain und „Gras“ – „er war ein Junggeselle, der sein Leben genossen hat“, so Nico B. (45) über den Monteur. „Er war sexuell aktiv.“ Kein Sadomaso. „Vielleicht ein paar Fesselspiele, alles im Rahmen.“ Ob T. zu viele Mittel eingenommen, sein Herz überfordert haben könnte? Nico B.: „Er war super drauf und gesund.“

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Um 2.07 Uhr soll er in ein Taxi gestiegen sein. Der Fahrer: „Er gab eine genaue Adresse in Pankow an, wollte aber nach sieben Minuten aussteigen und mit der S-Bahn weiterfahren.“ Es war laut Ermittlungen die Adresse des ihm bis dahin unbekannten Mathe-Lehrers. Fortsetzung: Donnerstag.