Am Sonntag hat ein Mercedes-Fahrer vor dem Bahnhof Zoo sechs Menschen verletzt. Foto Eric Richard

Wieder raste ein Auto in eine Menschenmenge. Wieder war es ein SUV. Und wieder gibt es Forderungen, die „Sport Utility Vehicle“ aus der Stadt auszusperren. Am Sonntag hatte ein Mercedes-Fahrer (24) vor dem Bahnhof Zoo sechs Menschen verletzt.

Einige von ihnen waren noch nicht bei Bewusstsein, da erklärte die Deutsche Umwelthilfe schon: „Klimakiller-Stadtpanzer haben nichts in unseren Städten zu suchen.“ Und Monika Herrmann, Bürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg twitterte: „Wieso dürfen diese überbreiten und überschweren Fahrzeuge noch immer in die Stadt? Wieso müssen die Besitzer keine Sondersteuer zahlen?"

Der Unfallhergang war auch am Montag noch nicht klar. Der aus Kosovo stammende Fahrer  war mit dem auf eine Firma in Estland zugelassenen Auto von der Joachimsthaler Straße gekommen. Er wollte in die Hardenbergstraße einbiegen. Dabei kam er von der Fahrbahn ab, verletzte drei Obdachlose, die sich dort niedergelassen hatten, sowie zwei Frauen und einen weiteren Mann.

Unfallfahrer ist wieder frei

Der 24-Jährige ist inzwischen wieder frei. Zunächst war gegen ihn wegen versuchten Totschlags ermittelt worden. Die Ermittlungen wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr laufen aber weiter. Einen technischen Fehler als Unfallursache schließt die Polizei aus, ebenso einen Suizidversuch.

Der RBB berichtete am Montagabend, der 24-Jährige sei «wohl ohne gültige Fahrerlaubnis und mit einem ihm fremden Wagen unterwegs» gewesen. Auch liege eine Anzeige wegen des Verdachts des Diebstahls vor. Der Mann soll demnach die Schlüssel des Wagens nach einem heftigen Streit mit seiner ehemaligen Freundin aus deren Wohnung gestohlen haben. Ein Polizeisprecher verwies am Abend auf Nachfrage an die Staatsanwaltschaft, die in dem Fall weiter ermittele. Dort bestätigte eine Sprecherin die Darstellung des Senders vorerst nicht.

Laut Zeugen soll der Fahrer geäußert haben, dass er Probleme mit seiner Frau habe. Den Schilderungen zufolge blieb er im Auto sitzen bis zur Ankunft der Bundespolizei und ließ sich  festnehmen. Er habe „meine Frau!“ geschrien.  

Einer der Obdachlosen schwebte am Montag noch in Lebensgefahr. Er und ein weiterer schwer verletzter Obdachloser sind noch nicht identifiziert. Der dritte schwer verletzte Obdachlose sei inzwischen ansprechbar, so der Polizeisprecher.

Ein ähnlicher Unfall hatte sich im September 2019  in Mitte ereignet. Damals raste ein Porsche Macan in eine Fußgängergruppe und tötete vier Menschen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt noch immer. Auch damals gab es Forderungen nach einem SUV-Verbot in der Innenstadt.

„SUV sind nicht unbedingt gefährlicher als andere Autos“, sagt  Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Deutschen Versicherungswirtschaft. „Entscheidend ist ihre Geschwindigeit.“ 2018 gab es knapp 9.000 SUV-Unfälle. 40.000 Unfälle gab es dagegen mit Klein-, 49.000 mit Kompaktklasse- und 28.000 mit Mittelklassewagen. „Aus den Zahlen ergibt sich überhaupt kein Grund, SUV zu verbieten“, sagt Brockmann.