An der Siegessäule: weniger Verkehr, mehr Raser. Foto: dpa

Die Coronakrise hat auch etwas Gutes. Erste Daten der Polizei deuten darauf hin, dass die Zahl der Verkehrsunfälle in Berlin deutlich gesunken ist. Das sagte Frank Schattling, der den Stab Verkehr im Polizeipräsidium leitet, dem Berliner KURIER.

Allerdings fühlten sich manche Fahrer auf leeren Straßen dazu eingeladen, stärker aufs Gaspedal zu treten. Die Zahl der Bußgelder, die wegen Tempoverstößen verhängt wurden, lag im ersten Vierteljahr um zwölf Prozent höher als im selben Vorjahreszeitraum, berichtet der Polizeidirektor, dessen Bereich die Verkehrssicherheit ist.

Doppelt so viele Anzeigen wegen Raserei wie im Vorjahr

Bei den Strafermittlungsverfahren, die wegen verbotener Rennen eingeleitet wurden, gibt es sogar einen Anstieg um mehr als das Doppelte. Bei diesem Thema geht es nicht nur Raserwettbewerbe, bei denen mehrere Fahrer gegeneinander antreten. Auch wenn sich ein Einzelner mit „nicht angepasster Geschwindigkeit und grob verkehrswidrig und rücksichtslos fortbewegt, um eine höchstmögliche Geschwindigkeit zu erreichen“, droht eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren. In der Hälfte der Fälle seien Fahrer vor der Polizei geflüchtet, so Schattling.

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Weil Ladendiebstahl und andere Delikte dank Corona zurückgegangen sind, habe die Polizei nun die Muße, im Verkehr genauer hinzusehen. Typische Situation: Polizisten fällt auf, dass jemand Schlangenlinien fährt oder der TÜV abgelaufen ist, Fahrer versuchen sich einer Kontrolle zu entziehen – und treten aufs Gas.

Polizei beruhigt: „Die allermeisten können gestellt werden“

Schattling hat aber eine Botschaft: „Die allermeisten können gestellt werden.“ Fliehen sei zwecklos. Im Nahverkehr seien weniger Fahrgäste unterwegs als früher, sagte er. Der Rückgang des Autoverkehrs hielte sich dagegen in Grenzen: Nicht wenige Berliner haben festgestellt, dass sie dank leerer Straßen mit dem Auto oft schneller vorankommen als früher.