Polizisten in der Wilmersdorfer Straße. Foto: Paul Zinken/DPA

Bringt Corona die Polizei an die Grenze ihrer Kräfte? Nein, sagt Berlins Polizeichefin Barbara Slowik. Die Polizei hatte schon lange nicht mehr so viele Kapazitäten.

Die Eindämmungsverordnung gegen das Coronavirus enthält Verbote, die verhindern sollen, dass sich Menschen zu nahe kommen.Und die breite Mehrheit der Bevölkerung verhält sich aus Sicht von Barbara Slowik vernünftig. Die gesellschaftliche Selbstkontrolle funktioniere gut, sagte sie am Donnerstag. „Aktuell beobachten wir jedoch die Wirkung des besser werdenden Wetters. Viele Menschen sind unterwegs.“

Seit Inkrafttreten der Verordnung hat die Polizei bis zum Mittwoch 1627 Gaststätten und Läden überprüft. Davon schloss sie 763 Objekte. 175Malwurden Personen im Freien von Polizisten überprüft und dabei 500 Verstöße registriert.

Weil das gesellschaftliche Leben zum Stillstand gekommen ist, hat sich auch die Kriminalität verändert. Vom 1. bis 24. März gingen die Straftaten im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres um 5,4 Prozent zurück. Die Anzahl der Rohheitsdelikte sank um 3,7 Prozent, die Diebstahlquote um 7,5 Prozent, der Fahrraddiebstahl sogar um 27,9 Prozent. Sexualstraftaten gingen um 19,2 Prozent nach unten, der Geschäfts-, Lokal-und Büroeinbruch um 23,3 Prozent.

Mehr häusliche Gewalt

Zunahmen gab es bei der häuslichen Gewalt um 10,8 Prozent und bei Keller- und Bodeneinbrüchen um 29,7 Prozent. Für letzteren Anstieg haben Polizisten eine Erklärung: Normalerweise bleiben viele Kellereinbrüche längere Zeit unentdeckt. Durch die Quarantäne- Anordnungen haben die Nutzer aber Zeit aufzuräumen. Zudem würden Drogenabhängige, um sich den nächsten „Schuss“ zu finanzieren, von den nun besetzten Wohnungen auf Keller und Dachböden ausweichen.

Am Donnerstag waren bei der Polizei 22 Mitarbeiter mit dem Virus infiziert, 80 in amtsärztlich angeordneter Quarantäne und 366 in freiwilliger Isolation. In den vergangenen Tagen kehrten jeweils zwischen 30 und 65 Mitarbeitern aus der Quarantäne zurück.

Slowik widersprach Behauptungen, wonach die Polizei an ihrer Belastungsgrenze sei. Es gebe keine Versammlungen, keine Fußballspiele oder Staatsbesuche, keine Touristen, keine Präventionsarbeit oder Fortbildungen. Die Kräftelage sei besser als sonst. „Wir sind auch deutlich weniger gefordert, sagt sie. „Die Polizeisteht absolut stabil.“