Dieser Mann wird nach einem Raubüberfall auf eine Tankstelle in Menden in Nordrhein-Westfalen von der Polizei gesucht. Foto: Polizei

Mund und Nase von einer Schutzmaske verdeckt, dazu noch eine Mütze oder ein Basecap. In Zeiten von Corona ist das ein alltägliches Bild in den Geschäften unserer Stadt geworden. Die Maßnahme mag im Sinne einer möglichen Infektionseindämmung sinnvoll sein. Doch die Menschen, die hinter den Kassen sitzen, wissen nun nicht mehr, ob ein normaler Kunde oder ein maskierter Räuber vor ihnen steht. Die Polizeimeldungen über sogenannte Corona-Räuber häufen sich.

Kürzlich kam es in der Berliner Allee in Weißensee  zu einem dieser Maskenüberfälle. Nach Polizeiangaben betraten drei Männer eine Tankstelle. „Jeder von ihnen trug einen Mundschutz, was die Angestellte aufgrund der Corona-Krise nicht verwunderte“, so ein Polizeisprecher. Einer der Maskierten habe  vorgegeben, einen Schokoriegel kaufen zu wollen. Der Sprecher weiter: „Als die 63-jährige Angestellte die Kasse öffnete, zog einer der Täter einen säbelartigen Gegenstand aus seiner Jacke und schlug nach der Kassiererin. Sie konnte zurückweichen, während zwei der Männer hinter den Tresen gelangten, das Geld aus der Kasse nahmen und gemeinsam mit ihrem Komplizen flüchteten.“   

Polizei: „Einmalhandschuhe und weißer Mundschutz bei Tatausführung“

Aus dem ganzen Bundesgebiet häufen sich derzeit ähnliche Meldungen. So wurde in Essen ein Supermarkt überfallen, auch hier hielten die Angestellten die beiden maskierten Männer zunächst für harmlose Kunden. Zu einem weiteren Überfall in der Nähe von Mannheim teilte die Polizei mit, der Täter habe „bei Tatausführung weiße Einmalhandschuhe sowie einen weißen Mundschutz“ getragen. Und in Braunschweig erbeutete ein Räuber-Duo in einem vornehmen Juweliergeschäft Schmuck und Bargeld im Wert von 200 000 Euro. Auch diese Männer trugen Handschuhe und Mundschutz – doch der Juwelier hielt die höflich auftretenden Männer zunächst  für Kundschaft und ließ sie arglos in sein Geschäft. Dann wurde er ausgeraubt.

In der Polizeistatistik wird nicht ausgewiesen, ob Raubtaten maskiert oder unmaskiert begangen wurden, deshalb gibt es hierzu keine Zahlen. Dennoch werden jetzt vor allem Schmuckhändler vorsichtiger. Im Fachmagazin Blickpunkt Juwelier wird aktuell dazu geraten, die Eingangstüren grundsätzlich verschlossen zu halten. Etwaige Kundschaft solle durch die zumeist aus Glas bestehende und damit durchsichtige Tür zunächst „kurz die Maske herunterziehen und sich somit zu erkennen geben“. In jedem Fall sollten Juweliere derzeit verstärkt auf ihr „Bauchgefühl hören und gegebenenfalls den Zutritt verweigern“, raten die Experten. Und lieber einmal mehr auf „eventuell möglichen Umsatz“ verzichten.