Die brutale Clan-Prügelei mit Tschetschenen. Privat

Mit Hämmern, Messern und Eisenstangen waren im vergangenen Herbst in Neukölln und Gesundbrunnen Angehörige arabischer Clans und Tschetschenen aufeinander losgegangen. Jetzt hat die Berliner Staatsanwaltschaft gegen einen ersten Beteiligten Anklage erhoben. Sie wirft Nasser R., von dem sie annimmt, dass er 44 Jahre alt ist, gefährliche Körperverletzung in zwei Fällen und Landfriedensbruch in zwei besonders schweren Fällen vor.

Nasser R. soll zusammen mit einem anderen Mann, gegen den ebenfalls ein Verfahren läuft, und mit weiteren bislang unbekannten Mittätern am Abend des 7. November in Gesundbrunnen drei Tschetschenen unter anderem mit Schlagstöcken, Eisenstangen und Messern misshandelt und schwer verletzt haben.

Das Motiv dafür war Rache für eine am selben Tag vorangegangene Prügelei zwischen Angehörigen von Nasser R. In der Wildenbruchstraße in Neukölln hatten Tschetschenen einen Spätkauf gestürmt, der angeblich von Angehörigen des Clans von Nasser R. betrieben wird. Bei der Prügelei gingen rund 30 Männer mit Möbeln, Messern, Wasserpfeifen und Hämmern aufeinander los. Einige tschetschenische Schläger waren aus Magdeburg angereist. Die Tschetschenen-Banden sind zahlenmäßig den Clans unterlegen. Deshalb sind sie nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden hoch mobil und stark vernetzt.

Nasser R. soll dann mit weiteren Familienangehörigen am 8. November am S-Bahnhof Gesundbrunnen aus einer Gruppe von mindestens 20 Personen heraus zwei Tschetschenen angegriffen und durch Schläge, Tritte und Messerstiche schwer verletzt haben.

Wegen der Schlägereien fahndet die Polizei nach 18 mutmaßlichen Schlägern

Der vielfach vorbestrafte Mann ließ sich laut Anklage auch durch eine ihm seit 2019 auferlegte elektronische Fußfessel nicht von den Taten abhalten. Er konnte deshalb unter anderem durch die GPS-Daten der Fußfessel ermittelt und am 18. Februar festgenommen werden. Seitdem ist er in Untersuchungshaft. Wegen der Schlägereien fahndet die Polizei nach 18 mutmaßlichen Schlägern.

Der Konflikt sei „aus Nichtigkeiten“ heraus entbrannt, hieß es damals aus der Familie von Nasser R. Laut Staatsanwaltschaft sind „Auseinandersetzungen innerhalb der Organisierten Kriminalität Berlins“ der Grund. Es sei um Drogengeschäfte und Revierstreitigkeiten im Drogenhändlermilieu gegangen, heißt es von Ermittlern.

Ein Bandenkrieg, den die Polizei nach den Auseinandersetzungen befürchtete, blieb vorerst aus. Der Konflikt wurde in einer Moschee durch einen „Friedensrichter“ beigelegt. Clans versuchen, ihre Konflikte ohne den Rechtsstaat zu lösen und die Polizei draußen zu halten. Die Oberhäupter, Vermittler und sogenannte Friedensrichter haben seit Jahrzehnten eine Paralleljustiz etabliert.

Tschetschenische Gruppierungen dringen derzeit immer weiter in die Organisierte Kriminalität vor. Unter anderem versuchen sie, von den Drogendealern in den U-Bahnhöfen jetzt „Standgebühr“ zu kassieren, was Konfliktpotenzial birgt. Denn die Gebühr mussten die Dealer bisher an arabische Clans abführen.