Prozess um eine Clanschießerei. Die Angeklagten sitzen seit Dienstag vor Gericht. Sie wollten nicht unkenntlich gemacht werden, so die Justiz. Foto: Pressefoto Wagner

Am helllichten Tag fielen Schüsse im Hinterhof. Nun stehen drei Männer vor Gericht. Einer ist ein Bruder des ermordeten Clan-Kriminellen Nidal R. (36).

Fayes R. (25) gilt wie einst auch Nidal R. als Intensivstraftäter. Nun geht es um versuchten Totschlag – gemeinsam mit Meho Z. (28), Mohammed R. (35) und dem wohl untergetauchten Omar Y. Im Prozess schilderten sie eine Notwehr-Version.

14. September gegen 17.30 Uhr an der Goebenstraße (Schöneberg). Zwei Gruppen standen sich gegenüber – eine um Omar Y. und eine um Omar F. (24). Beide lagen im Clinch – möglicherweise wegen einer Inhaftierung einige Monate zuvor. Fayes R.: „F. sagte, er habe nur wegen Y. gesessen.“ 1500 Euro Anwaltskosten habe F. von Y. gefordert.

Bruder wurde von acht Kugeln getötet

Laut Anklage soll Fayes R. mit einen Baseballschläger auf den Kopf von F. geschlagen haben.  Y. habe eine Pistole gezogen, die dann Z. genommen und abgedrückt habe. Fünf Schüsse. F. ging zwischen parkenden Autos in Deckung, erlitt einen Streifschuss am rechten Unterschenkel.

Fayes R.: „Mein Bruder wurde von mehreren Männern mit acht Kugeln ermordet.“ Der Anschlag im September 2018 auf dem Tempelhofer Feld habe ihn „aus der Bahn geworfen.“ Kurz vor den Schüssen im Hinterhof habe er F. noch zur Vernunft bringen wollen: „Sieh, was mit meinem Bruder passiert ist.“

Mit Keulen und Baseballschlägern

Die Angeklagten behaupten: Omar F. suchte Streit. Die Situation sei eskaliert. Leute aus der Gruppe um F. hätten plötzlich Baseballschläger und Machete gezogen. Fayes R.: Ich sah einen vermummten Mann mit Schusswaffe.“ Neben ihm sei ein Typ mit einem Baseballschläger gewesen. Er habe dem die Keule entrissen – „ich wollte die Pistole wegschlagen, traf dabei F.“ Und Z.: „Ich schoss bewusst auf den Boden, wollte F. nicht treffen.“

Z.s Anwalt: „Mit Clankriminalität hat das nichts zu tun.“ Fortsetzung: 6. Mai.