Der Angeklagte Rabieh R. verdeckt im Gerichtssaal sein Gesicht. Er legte ein umfassendes Geständnis ab.
Der Angeklagte Rabieh R. verdeckt im Gerichtssaal sein Gesicht. Er legte ein umfassendes Geständnis ab. Jens Schlüter/Pool/AFP

Er war einer der bisher spektakulärsten Kunstdiebstähle in Deutschland – der Juwelenraub im Dresdener Grünen Gewölbe im November 2019. Derzeit stehen sechs Mitglieder des Berliner Remmo-Clans vor dem Landgericht der sächsischen Metropole. Am Dienstag packten die ersten Angeklagten aus. Die Idee für den Raub wäre auf einer Klassenfahrt entstanden.

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Rabieh R. legte als erster ein umfangreiches Geständnis ab. Ein Deal um Straferleichterung war der Grund, dass er sein Schweigen brach. „Ich war nicht nur in Dresden, sondern selbst in den Räumen des Grünen Gewölbes“, sagt der 29-Jährige aus.

Sein Auftrag sei es gewesen, mit einer nichtangeklagten Person durch das zuvor präparierte Fenster zu klettern, die Vitrine im Juwelenzimmer zu zerschlagen und Schmuckstücke zu stehlen, „weil ich kräftig bin und dazu bereit war“.

Juwelenraub im Grünen Gewölbe: Über ein Jahr lang wurde der Coup geplant

In die ursprüngliche Tatplanung war R. nach eigenen Angaben nicht involviert. Er sei zwei bis drei Monate zuvor angesprochen worden, ob er mitmachen wolle. „Die Idee war nicht von mir.“ Diese sei aus der Begeisterung „einer anderen Person“ von einer Klassenfahrt ins Grüne Gewölbe und dem dort ausgestellten Grünen Diamanten entstanden. Über ein Jahr lang dauerte es, bis der Plan für den Coup ausgearbeitet war.

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„Ich bin derjenige mit der Taschenlampe, der andere hat mir gesagt, wo es langging“, sagt der 29-Jährige und revidierte seine Einlassung vom März 2022. Sein Tatbeitrag sei „deutlich gewichtiger“ als er damals angegeben hatte. So sei R.  auch bei zwei der Erkundungstouren nach Dresden zur Vorbereitung dabei gewesen. „Ich wunderte mich, dass man sich so frei und unbemerkt dort bewegen konnte und das nichts bemerkt wurde“, erklärt er.

Blick in den Gerichtssaal, rechts ist die Anklagebank. Insgesamt sechst Clan-Mitglieder werden beschuldigt, den Juwelenraub begangen zu haben oder daran beteiligt gewesen zu sein.
Blick in den Gerichtssaal, rechts ist die Anklagebank. Insgesamt sechst Clan-Mitglieder werden beschuldigt, den Juwelenraub begangen zu haben oder daran beteiligt gewesen zu sein. Jens Schlüter/Pool/AFP

Der Einbruch in das sächsische Schatzkammermuseum am 25. November 2019: Zwei Täter drangen über ein unbemerkt Tage zuvor präpariertes Fenster ins Grüne Gewölbe ein, schlugen mit einer Axt Löcher in die Vitrine und rissen heraus, was sie zu fassen bekamen.

Im Geständnis erklärt Rabieh R., dass der Mittäter danach einen Feuerlöscher entleert hätte, um DNA-Spuren in dem Raum zu zerstören. Anschließend seien die insgesamt sechs Täter in einem Auto in eine Tiefgarage eines Wohnhauses geflohen, hätten dort den Fluchtwagen angezündet. Danach machten sie sich auf die Heimreise nach Berlin, so der 29-Jährige.

Grünes Gewölbe: Diebe nahmen alles, was sie greifen konnten

Der Juwelenraub im Grünen Gewölbe habe laut Anklage nur wenige Minuten gedauert. Als die Polizei eintraf, waren Diebe samt Beute verschwunden. 21 Schmuckstücke aus Diamanten und Brillanten im Gesamtwert von über 113 Millionen Euro wurden erbeutet. Zudem sollen die Diebe über eine Million Euro Sachschäden verursacht haben.

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Im Grünen Gewölbe: Im November 2019 passierte hier eine der spektakulärsten Kunstdiebstähle Deutschlands.
Im Grünen Gewölbe: Im November 2019 passierte hier eine der spektakulärsten Kunstdiebstähle Deutschlands. dpa/Sebastiam Kahnert

Die Mitangeklagten Wissam R. und Mohamed R. gaben ebenfalls eine Tatbeteiligung zu. Ihr Geständnis wurde von ihren Anwälten verlesen. Danach drangen die beiden Angeklagten nicht selbst in das Grüne Gewölbe ein, sondern sicherten den Einbruch und nahmen die Beute und die Einbruchswerkzeuge entgegen.

Dieser mit Diamanten besetzte Orden gehörte zu den erbeuteten Schmuckstücken. 
Dieser mit Diamanten besetzte Orden gehörte zu den erbeuteten Schmuckstücken.  AFP/Jürgen Kapinski

Ein vierter Angeklagte kündigte für den nächsten Verhandlungstag am Freitag ebenfalls eine Erklärung an. Auch er will von dem Deal profitieren, nach dem bei Geständnissen für drei Beschuldigte, die nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt werden, Haftstrafen zwischen fünf Jahren und neun Monaten sowie sechs Jahren und neun Monaten geben soll. Das Strafmaß bei den anderen soll nach Jugendstrafrecht zwischen vier Jahren und drei Monaten sowie fünf Jahre liegen.

Den Deal hatte man  kurz vor Weihnachten in einer Kanzlei im Westteil Berlins ausgehandelt. Dort wurde auch ein Großteil der gestohlenen Juwelen über einen der Verteidiger zurückgegeben – teilweise beschädigt und unvollständig. Für den Deal zwischen Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Gericht müssen die Angeklagten jedoch konkrete Angaben zum Coup und ihrer Beteiligung machen.

Nur zwei Clan-Mitglieder werden nicht aussagen. Der eine  Angeklagte will sich an dem Deal beteiligen. Der andere hat für den Tatzeitpunkt ein Alibi.