Sylvana S. vor ihrem neuen Tresen. Das Geld für einen neuen Kühlschrank kann sie nicht aufbringen und muss daher auf den Verkauf ihrer selbst gebackenen Torten vorerst verzichten.
Foto: Thomas Uhlemann

Ein trauriges Bild der Verwüstung: Zersplitterte Fenster, Kuchenvitrinen, Schränke und ausgelaufene Lebensmittel über den ganzen Boden verteilt. Das Lebenswerk von Sylvana S. (49) gleicht einem Scherbenhaufen. Vor sechs Tagen wurde ihr Café, „Urban's Kaffeestube“ brutal überfallen. Der mutmaßliche Täter soll in der Nachbarschaft offenbar nicht unbekannt sein.

Das Café von Sylvana S. kurt nach dem Überfall: Die Fensterscheiben und ein Großteils des Inventars sind kaputt. Foto: privat

„Ich habe mich mit zwei Kunden auf der Toilette versteckt. Wir hatten Todesangst“, sagt Sylvana S. Ihre Stimme zittert noch immer, wenn sie von dem gemeinen Überfall am 1. Mai erzählt. Kurz nach 12 Uhr, als sie gerade dabei war, ein paar Stücke ihrer selbst gemachten Torten für außer Haus einzupacken, habe sie beobachtet, wie ein junger Mann, der ihr und ihren Nachbarn schon häufiger als Obdachloser im Kiez aufgefallen sei, auf einen ihrer Kunden eingeprügelt habe. Bevor sie ihm zur Hilfe eilen konnte, sei der aggressive Mann in ihr Geschäft gerannt. „Er hatte einen Gegenstand in der Hand und schlug wild um sich. Ich habe nur noch Glas splittern sehen“, sagt sie.

Panisch sei sie mit zwei Kunden auf die Toilette gerannt und habe sich dort eingeschlossen. Ihre Schwiegertochter, die ebenfalls im Café war, sei durch ein Fenster in den Hof geflüchtet und habe die Polizei gerufen. Die sei wenige Minuten später mit mehreren Einsatzwagen eingetroffen. Erst als die Beamten vor Ort waren, hätten sie ihr Versteck verlassen. „Ich habe noch gesehen, wie der Mann auch auf die Polizisten los gegangen ist“, so Sylvana S.

Hoher finanzieller Schaden

Die Polizei Berlin bestätigt auf KURIER-Anfrage, dass zwei Beamte mit Holzstock und Metallkette attackiert worden seien. „Wir ermitteln gegen einen 29-Jährigen wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung in zwei Fällen, Sachbeschädigung, unerlaubter Einreise und Widerstand gegen Polizeibeamte“, teilte Polizeisprecher Martin Halweg mit. Der Täter sei vor Ort fest genommen worden, befindet sich aber wieder auf freiem Fuß. Auf die Frage warum trotz des illegalen Aufenthalts kein Haftbefehl erlassen wurde, verwies der Polizeisprecher an die Ausländerbehörde und die wiederum an die Generalstaatsanwaltschaft. „Uns liegt der Vorgang bislang nicht vor“, so Sprecher Stefan Stöhr.

Für Sylvana S. ist der Gedanke, dass der mutmaßliche Täter jederzeit wieder in ihrem Café aufkreuzen könnte, unerträglich. Sie sagt: „Ich kann nicht verstehen, dass man so jemanden wieder laufen lässt.“ Neben dem seelischen Leiden säße sie auf einem finanziellen Schaden von 10.000 Euro. Hinzu käme der Verdienstausfall in der Corona-Krise. Sylvana S.: „Wenn meine Versicherung nicht zahlt, kann ich dicht machen.“