Eine der beschädigten Vitrinen im Juwelenzimmer im Historischen Grünen Gewölbe im Dresdner Schloss
Eine der beschädigten Vitrinen im Juwelenzimmer im Historischen Grünen Gewölbe im Dresdner Schloss dpa/Kahnert

Angeklagt sind sechs junge Männer aus dem Berliner Remmo-Clan. Es geht um den spektakulären Juwelendiebstahl im Dresdener Grünen Gewölbe. Seit Monaten läuft der Prozess. Jetzt kam heraus, wie viel bei dem Einbruch in den historischen Räumen zerstört wurde.

Lesen Sie auch: Strom immer teurer: Deshalb will die FDP in Berlin das Licht ausschalten>>

Der Einbruch ins Grüne Gewölbe im November 2019 hat Reparaturkosten von mehr als 316.000 Euro in dem barocken Schatzkammermuseum in Dresden verursacht. Mit 256.000 Euro am teuersten war die Erneuerung von vier Vitrinen samt Sicherheitsglas, wie ein Architekt von dem für das Residenzschloss zuständigen Staatsbetrieb am Freitag im Prozess zum Juwelendiebstahl am Landgericht Dresden aussagte. Bei dem zerstörten Einstiegsfenster, Spiegeln und anderer Einrichtung in den betroffenen Räumen kamen weitere 32.000 Euro dazu.

Durchtrennte Fenstergitter sind nach wie vor „ein Provisorium“

Die Reparaturen seien noch nicht abgeschlossen, das von den Tätern durchtrennte Fenstergitter etwa nach wie vor „ein Provisorium“, sagte der Zeuge. Es sei nicht möglich, den Zustand des Museums vor dem Einbruch wiederherzustellen wegen der veränderten Anforderungen als bei der Sanierung Mitte der 2000er-Jahre.

Die von der Polizeidirektion Dresden herausgegebenen Aufnahmen zeigen Schmuckstücke, die beim Juwelendiebstahl in Dresden entwendet wurden.
Die von der Polizeidirektion Dresden herausgegebenen Aufnahmen zeigen Schmuckstücke, die beim Juwelendiebstahl in Dresden entwendet wurden. dpa/Karpinski

Sechs junge Männer zwischen 23 und 28 Jahren sind wegen schweren Bandendiebstahls, Brandstiftung und besonders schwerer Brandstiftung angeklagt. Die Deutschen aus der bekannten arabischstämmigen Berliner Großfamilie Remmo sollen am frühen Morgen des 25. November 2019 aus dem Dresdner Museum 21 Schmuckstücke mit insgesamt 4300 Diamanten und Brillanten im Gesamtwert von über 113 Millionen Euro gestohlen und Schäden in Höhe von über einer Million Euro hinterlassen haben. Ihnen wird auch vorgeworfen, einen Stromkasten in der Altstadt und ein Fluchtauto in einer Tiefgarage angezündet zu haben.

Der Wert des erbeuteten Schmucks ist schwer zu schätzen. Es gibt keine vergleichbaren Diamanten

Der erbeutete Schmuck könne nach heutigen Maßstäben nicht bewertet werden, sagte ein als Sachverständiger für das Bundeskriminalamt (BKA) tätiger Gold- und Silberschmied. Es gebe keine vergleichbaren Steine hinsichtlich Reinheitsgrad und Schliff. Der in der Anklageschrift bezifferte Wert von rund 113 Millionen Euro sei die Summe, für die der Schmuck als Leihgabe für Ausstellungen versichert wurde.

Die Auswertung ihrer und der Handys weiterer Beschuldigter ergab, dass die Täter mindestens zwei sogenannte Fake-Handys nutzten, die unter falschen oder unbekannten Personalien registriert waren, wie Ermittler berichteten. Telefonate von diesen Geräten korrespondierten „auffallend deutlich“ mit den Zeiten, zu denen die von ihnen verwendeten Fahrzeuge bewegt wurden.

Die Täter sollen in der Woche bis zu dem Einbruch wiederholt von Berlin nach Dresden gefahren und auch über die Mauer bis zum Einstiegsfenster des Museums im Residenzschloss geklettert sein. Auf Videoaufnahmen seien sie telefonierend gesehen worden und auch diese Zeiten passten zu den Telefonaten der Fake-Geräte.

Ein Angeklagter (re.) wird bei der Fortsetzung des Prozess in den Verhandlungssaal im Landgericht geführt.
Ein Angeklagter (re.) wird bei der Fortsetzung des Prozess in den Verhandlungssaal im Landgericht geführt. dpa/Rietschel

Ein Dresdner Ermittler berichtete, dass die Auswertung der Daten der Handys, die die Täter nutzten, über eine Bochumer Trinkhalle zu einem Mobilfunk-Geschäft in Berlin-Neukölln geführt habe, wo offenbar „in großem Stil“ mit Sim-Karten gehandelt worden sei.

Lesen Sie auch: Wer erkrankt an Affenpocken? Die Berliner Patienten sind männlich und im Schnitt 37 Jahre alt>>

Bei der Durchsuchung des Ladens waren die Unterlagen aus dem Tatzeitraum verschwunden. „Sie sind offenbar gewarnt worden.“ In dem Laden wurden auch Hinweise gefunden, dass „in großem Stil“ Personalausweisdaten abgezogen und diese teils missbraucht wurden. Das Geschäft habe zehn bis 15 Filialen – darunter auch eine in Dresden. Der Prozess wird in einer Woche fortgesetzt.