Hunderte Menschen solidarisieren sich mit dem Wirt, der Opfer eines Anschlags wurde. Bundestagsabgeordnete Canan Bayram (Grüne) hält eine Rede. Foto: Eric Richard

Ein Brandanschlag auf einen jüdischen Wirt erschütterte viele Lichtenberger. Am Dienstagabend zogen rund 500 Demonstranten vor die ausgebrannte Kiezkneipe, um sich mit dem Besitzer zu solidarisieren. Sie alle wollen die Neonazis aufspüren und vertreiben. 

Es war bereits das fünfte Mal, das Rechtsradikale in das beliebte Lokal an der Hagenstraße eingebrochen sind. Diesmal hatten die Täter am frühen Morgen des 14. August ein Fenster aufgebrochen und ein Sofa in Brand gesteckt. Die Flammen griffen fast auf das ganze Inventar über. Anwohner alarmierten gegen 6.20 Uhr die Feuerwehr. Ein Übergreifen des Feuers auf die darüber liegenden Wohnungen konnte gerade noch rechtzeitig verhindert werden. Die beliebte Begegnungsstätte brannte komplett aus. Die Polizei ermittelt wegen schwerer Brandstiftung.

Unbekannte waren am frühen Morgen des 14. August in die Kiezkneipe eingebrochen. Sie verwüsteten das Lokal und steckten anschließend Möbel in Brand. Die Polizei geht von einer rechtsextremistisch motivierten Tat aus. Foto: Eric Richard

Jetzt setzten Anwohner und Politiker ein Zeichen gegen Rassismus und Extremismus. Gegen 18 Uhr strömten Hunderte Menschen vor das Lokal. „Es muss jetzt genau geschaut werden, wo sind Orte von Intoleranz, Hass und Gewalt. Und zwar nicht nur in Lichtenberg“, erklärte Lichtenbergs Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Linke). Er versicherte, dass das Bezirksamt alles tun werde, um das zivilgesellschaftliche Engagement gegen Rechtsextremismus zu stärken. 

Dafür soll die „Aktion Noteingang“ wieder ins Leben gerufen werden. Die antirassistische Initiative war bereits Anfang der 90er-Jahre in Berlin als Reaktion auf die zunehmende rechtsextreme Gewalt entstanden. Es wurden Geschäfte, Lokale und Institutionen angesprochen, die mit einem Aufkleber der Aktion im Eingangsbereich deutlich machten, dass das Personal rassistische Verhaltensweisen nicht duldet und gegebenenfalls potenzielle Opfer schützen wird.

Levi Salomon vom Jüdischen Forum in Berlin warnte, dass die Rechtsextremisten ganz in der Nähe der Demonstration wohnen würden. „Sie sind nicht weit weg.“ Der Wirt, der aus Angst anonym bleiben möchte, kam 2012 nach Lichtenberg und eröffnete erst ein jüdisches Restaurant, das er später zu einer Kneipe umbaute. Seit seiner Ankunft werde er von Neonazis eingeschüchtert und bedroht. Männer mit Glatzen und Springerstiefeln sollen in dem Restaurant immer wieder für Unruhe gesorgt haben. Gegenüber dem Jüdischen Forum erklärte der 48-Jährige, dass Rechtsextreme sich vor ihm aufbauten und drohten: „Was machst du hier? Wir kriegen dich hier raus.“

Polizisten sichern die angemeldete Kundgebung ab. Im Hintergrund ist die abgebrannte Kneipe „Morgen wird besser“ zu sehen.  Foto:  Eric Richard

Erst am Montag vergangener Woche hatte der 48-Jährige einen Drohanruf erhalten. Der Anrufer habe ihm gesagt, dass er ihn in dem Kiez nicht mehr haben wolle. Ähnliche Anrufe gab es immer wieder. Zuletzt waren Extremisten Anfang 2019 in seine Bar gekommen, um Flaschen zu zerschlagen. Im Jahr zuvor sollen ihn drei Neonazis als „Drecksjuden“ beschimpft haben. Sie hätten ihm gedroht, dass sie ihn aus seinem Laden vertreiben werden. Hinterher schmierten Unbekannte antisemitische Parolen an die Fassade des Lokals

Stammgäste und Anwohner haben bereits Geld für die Sanierung der Kneipe gesammelt. Angestellte des Lokals sollen zudem unterstützt werden, weil sie ihren Job verloren haben.