Der Angeklagte sitzt wegen Diebstahls vor Gericht.

Pressefoto Wagner

Er kam nicht zum Beten in die Kirche: Antonio M. C. (36) schnappte sich in einem Gotteshaus eine Bongo-Trommel und wurde im Kampf um das Instrument rabiat.

Solo-Auftritt für den Bongo-Mann nun vor dem Richter – allerdings kann er nur singen. Sanft der kleine Mann aus Portugal: „Es war ein großer Fehler, zum Glück gab es keine Verletzten.“

Es war kurz nach 18 Uhr, als er am 23. Juli an einer Kirchengemeinde in Kreuzberg auftauchte. Rentner Andreas T. (67), ehrenamtlich im dortigen Weltladen tätig, war bei den letzten Handgriffen. Ein Non-profit-Projekt mit Produkten aus Asien, Afrika, Lateinamerika – Tee, Kaffee, Kunsthandwerk oder Kinderspielzeug.

Er fuchtelte mit einer Weinflasche herum

Augenzeuge T.: „Er ging schnurstracks auf eine Vitrine mit Trommeln zu und nahm sich eine.“ Der Rentner fasste nach – „ich bekam Schnüre zu fassen“. Es kam zu einem Gerangel im Türrahmen. Doch der feurige Angreifer hatte eine Weinflasche in der Hand, fuchtelte damit herum.

Der Rentner: „Die Trommel war zwischen uns, die Flasche streifte mich an der Schläfe.“ Ihm wurde es zu gefährlich: „Ich ließ die Schnüre aus der Hand gleiten.“ Eilig hatte es der Bongo-Räuber allerdings nicht. Zeugen sahen: Nachdem er das siebte Gebot – „Du sollst nicht stehlen“ – gebrochen hatte, setzte er sich für zwei Minuten auf den Rasen vor dem Gotteshaus.

Die Polizei war schnell vor Ort

Die Polizei war schnell vor Ort. M. C., der obdachlos war, wurde kurz darauf gefasst. Die Bongo für 125 Euro blieb unbeschädigt.

Antonio M. C., der ihre magischen Klänge nicht ausprobieren konnte, nun mit Lobeshymne auf den Knast: „Bin froh, nach Moabit gekommen zu sein, ich wurde im Gefängnis respektvoll behandelt.“ Er habe T. wegstoßen, nicht mit der Flasche treffen wollen. T. hauchte er im Saal einen Luftkuss zu: „Ich war nicht ich selbst, ich bitte um Entschuldigung.“ Fortsetzung am Donnerstag.