Feuerwehrleute, Polizisten und Passanten versuchen gemeinsam, dem angefahrenen Hund (unter der Wärmedecke) zu helfen. Das Tier hat den Unfall schwer verletzt überlebt. Es wurde in eine Tierklinik gebracht.  Foto: Morris Pudwell

Retter breiten behutsam eine Wärmedecke aus. Darunter liegt ein kleiner Hund. Ein Mann kniet davor, bangt um das Leben seines treuen Freundes. Ein Autofahrer überfuhr den Vierbeiner und ließ ihn einfach liegen. Fassungslose Passanten wurden zu Ersthelfern. 

Verhängnisvoller Spaziergang in Niederschöneweide: Ein 30-Jähriger führt in der Nacht zu Donnerstag die beiden Hunde eines Bekannten aus. Die Vierbeiner sind ihm ans Herz gewachsen. Sie sind sich vertraut. Doch dann reißt sich einer der beiden plötzlich los, läuft direkt auf die Straße. Der Fahrer eines Mitsubishi rauscht über die Spreestraße und erfasst das Tier. Mehrere Passanten werden Zeugen des Unfalls. Sie berichten, dass der Autofahrer kurz stoppt, dann aber aufs Gaspedal tritt. 

Die fassungslosen Passanten tragen das Unfallopfer auf den Gehweg. Sie machen sich Vorwürfe, weil sich niemand das Kennzeichen gemerkt hat. „Wir dachten, der bleibt stehen. Wie kann man nur so herzlos sein?“, meint einer der Zeugen. Der zweite Hund bellt aufgeregt. Dabei blickt er immer wieder in Richtung seines schwer verletzten Freundes. Auf seinem weißen Fell sind Blutspritzer. 

Zeugen stoppen währenddessen eine Einsatzhundertschaft, die zufällig an ihnen vorbeifährt. Anschließend alarmieren sie die Feuerwehr. Die Bereitschaft, dem angefahrenen Hund zu helfen, ist enorm. Retter, Polizisten und Zeugen reden dem verletzten Tier abwechselnd gut zu, geben ihm Kraft. Der 30-Jährige steht unter Schock. Einer der Helfer fragt ihn immer wieder: „Darf ich deinen Hund anfassen? Darf ich ihn hochheben? Darf ich ihn zur Feuerwehr bringen?" Als das schwer verletzte Tier ins Fahrzeug der Feuerwehr verschwindet, blickt der zweite Hund traurig hinterher. 

Beamte finden auf der Straße ein abgebrochenes Fahrzeugteil. Die Polizei sucht jetzt nach dem Halter eines Mitsubishi, bei dem ein Frontteil abgebrochen ist. Ermittelt wird wegen Unfallflucht und Sachbeschädigung. Denn Tiere werden rechtlich wie Gegenstände behandelt. Aber: Der Besitzer hat auch die Pflicht, darauf aufzupassen, dass es keinen Schaden anrichtet. 

So hart das klingt: Wird eine Katze oder ein Hund angefahren, liegt die Verantwortung beim Tierhalter. Demnach hätte der Unfallfahrer im Zweifel seinen jetzigen Schaden sogar ersetzt bekommen.