Kriminaltechniker untersuchen den Tatort: Vor dieser Shisha-Bar an der Schulstraße in Wedding fielen vor einem Jahr die tödlichen Schüsse – das Ende einer Blut-Fehde.
Kriminaltechniker untersuchen den Tatort: Vor dieser Shisha-Bar an der Schulstraße in Wedding fielen vor einem Jahr die tödlichen Schüsse – das Ende einer Blut-Fehde. Pudwell

Die Familienfehde begann mit einem Streit um einen Kino-Sitzplatz und endete Jahre später mit Schüssen aus nächster Nähe in den Kopf eines Mannes.

Ein Vater, sein Sohn und dessen Cousin vor Gericht: Ismet H. (52), Amir O. (34) und Renato O. (29) wird gemeinschaftlicher Mord vorgeworfen. Hintergrund sei ein jahrelanger Zoff zwischen ihrer Familie und einer anderen Roma-Familie.

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Die Anklage: Es geschah aus Rache für den tragischen Tod einer Frau aus der Familie O. Sohn Amir O. stellte sich nun vor die Verwandten: „Ich befürchtete einen Angriff. Ich hatte das Gefühl, er würde weitermachen und uns nie in Ruhe lassen.“ Spontan und allein habe er gehandelt. Amir O.: „Ich wollte, dass Hamid Hr. für immer aus meinem Leben verschwindet.“ Mit seinem Vater und seinem Cousin sei nichts besprochen gewesen – „sie wussten noch nicht einmal, dass ich eine Waffe hatte.“

Schüsse vor der Shisha-Bar: War der Mord geplant?

Der 2. Oktober 2021. Hamid Hr. (42) betrat am späten Abend eine Shisha-Bar an der Schulstraße in Wedding, ging dann vor die Bar, blieb dort. Der Staatsanwalt geht davon aus, dass die Angeklagten nach einem gemeinsamen Plan agierten.

Vater und Cousin hätten den Tatort abgesichert, Amir O. habe Hr. „aus Nahdistanz von hinten in den Kopf geschossen“. Als das Opfer am Boden lag, schoss Amir O. ihm nochmals in den Kopf.

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War es Blutrache am Ende einer 16 Jahre langen Fehde? 2005 hatten sich Mitglieder der beiden bosnischen Familien bei der Platz-Suche im Kino gezofft. Einer fühlte sich nicht respektvoll behandelt. Es gab Attacken mit Fäusten, Beleidigungen, Bedrohungen. Es wurden „Friedensrichter“ von den Roma-Clans eingeschaltet – eine Paralleljustiz für milieuinterne Schlichtungsversuche. Die Zerstrittenen sollten sich aus dem Weg gehen.

Doch dann eine Hochzeitsfeier im Oktober 2018. Zufällige Begegnungen und Beleidigungen. Hamid Hr. bekam von Familie O. schließlich eine Abreibung – von 130 Schlägen ging später die Anklage gegen sechs Mitglieder der Familie O. aus. Das Drama für Familie O.: Bei der Attacke nach der Hochzeitsfeier löste sich ein Schuss aus einer Waffe, die ein Bruder von Amir O. hielt. Ihre 23-jährige Schwester wurde getroffen, verstarb.

Im Juli 2019 erhielten Vater Ismet H. und Amir O. jeweils drei Jahre Haft wegen der Prügel-Attacke nach der Hochzeit. Die Familie zahlte zudem 20.000 Euro als Täter-Opfer-Ausgleich. Amir O. nun: „Wir sahen es als Abschluss an. Hamid Hr. aber bestand darauf, es müsse ein Roma-Gericht geben.“

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Nach einem „Schiedsspruch“ sollte Hr. eine Zeit lang Berlin verlassen – „die Familien sollten sich aus dem Weg gehen“. Hr. aber habe sich nicht daran gehalten. Amir O.: „Er engagierte Tschetschenen, die uns bedrohten.“ Dann stand Hr. vor der Shisha-Bar. Amir O.: „Ich ging davon aus, er würde seine tschetschenischen Freunde herantelefonieren.“

Er habe sich von einem Gast eine Waffe geliehen – „zu meinem Schutz“. Als Hr. nicht ging, habe er mit einer Eskalation gerechnet. Amir O.: „Ich bereue die Tat zutiefst.“ Prozess wird fortgesetzt.