Die Studenten Jasmin (18) Max (20) auf ihrem Balkon in der Kopernikusstraße (Friedrichshain). Von hier bemerkten sie den den Crash und kamen dem verletzten Obdachlosen zur Hilfe.  

Foto: Foto: Eric Richard

Ein bisher unbekannter Mann ohne Bleibe hat sich vor einer Tiefgarage in der Kopernikusstraße (Friedrichshain)  niedergelassen. In der Nacht zu Montag kommt es dort zum Unglück: Edite G. (55) fährt angetrunken mit ihrem Citroën Berlingo in die Garage, erfasst den Mann und schleift ihn etwa 40 Meter mit. Er bleibt schwerverletzt unter den Hinterreifen liegen, die Frau verschwindet erst mal. Max (20) und Jasmin (18) aus dem Nachbarhaus bemerken den Crash. Zusammen mit Passanten öffnen sie die Garage, leisten Erste Hilfe und alarmieren die Feuerwehr. Jasmin und Max sind empört: „Die Frau hätte doch merken müssen, dass sie einen Menschen überfährt. Das ist unterlassene Hilfeleistung!“  

Die beiden Studenten rauchen auf dem Balkon, als sie das Quietschen der Reifen und das Brüllen eines Augenzeugen hören. Dann reagieren sie schnell. Mithilfe des  Augenzeugen befreien sie den Mann, der unter dem Auto liegt. Sie bringen ihn in die stabile Seitenlage. Er ist ansprechbar, fällt aber immer wieder in Ohnmacht. Gegen 0.40 Uhr geht der Notruf bei der Feuerwehr ein.  Die Retter bringen den Obdachlosen, der schwere Verletzungen am gesamten Körper erlitten hat, in die Klinik: Er kommt auf die Intensivstation, Lebensgefahr besteht aber nicht. Die Fahrerin kehrt zurück, als Polizei und Feuerwehr noch vor Ort sind. „Sie hat einfach gesagt, dass sie Hilfe rufen wollte, in der Garage aber keinen Handyempfang hatte. Sie hätte dem Mann gleich helfen müssen“, erinnert sich Jasmin am nächsten Morgen im Gespräch mit dem KURIER. Sie ist immer noch empört.

Rettungskräfte bringen den bisher unbekannten Mann aus der Tiefgarage in der Kopernikusstraße. Foto: Morris Pudwell

Fahrerin Edite G. muss sich vor Ort noch einem Atemalkohol-Test unterziehen. Dieser soll 1, 47 Promille ergeben haben. Die Frau muss zur Gefangenensammelstelle und zur Blutentnahme, wird später aber wieder entlassen.  An der Unfallstelle versuchen bis zum Montagmorgen ein Gutachter, die Kriminaltechnik und der Verkehrsermittlungsdienst den genauen Hergang zu rekonstruieren.  

Die Identität des Mannes konnte noch nicht ermittelt werden. „Wir wissen nicht, wer er ist“, so eine Sprecherin der Polizei. Er liegt weiter auf der Intensivstation. Die Frau muss sich wegen Trunkenheit am Steuer und Unfallflucht verantworten. „Ich bin vollkommen fertig“, sagt Edite G. einen Tag nach dem Vorfall zum KURIER. Den Führerschein ist sie erst mal los.