Der Impfstoff ist hoch begehrt. Europol bezeichnet ihn als "flüssiges Gold" Foto: Gareth Fuller/PA Wire/dpa

Die Impfstoffe gegen das Coronavirus sind noch nicht mal richtig auf dem Markt, das Impfen läuft nur langsam an. Doch Kriminelle haben bereits das betrügerische Geschäft mit dem Vakzin entdeckt.

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Im Darknet verkaufen die Betrüger gefälschte Covid-Impfstoffe. Nicht nur die europäische Polizeibehörde Europol wies vor einigen Tagen darauf hin und warnte vor einem drastischen Zunehmen solcher Angebote. Wie die auf Cybersicherheit spezialisierte israelische Firma Check Point Software Technologies herausfand, verlangen die Betrüger für einen vermeintlichen Covid-Impfstoff im Darknet 250 Dollar. Damit die Spuren nicht zurückverfolgt werden können, soll man in der Kryptowährung Bitcoin bezahlen. „Die Angebote im Darknet hinsichtlich der Impfstoffe sollte niemand auch nur in Erwägung ziehen, da es sich hierbei bestenfalls um Placebos, schlimmstenfalls um gesundheitsgefährdende Substanzen handeln kann – falls überhaupt etwas geliefert wird“, warnt die Firma in ihrem Blog.

Impfstoff-Emails mit Schadsoftware und Trojanern

Die IT-Experten entdeckten noch etwas anderes: E-Mails, die verbreitet werden mit dem Betreff „pfizer’s Covid vaccine: 11 things you need to know“ oder  „Covid-19 vaccine brief summary“. Sie enthalten Schadsoftware und auch die Schadsoftware AgentTesla, den neuen sogenannten Remote-Access-Trojaner. Mit diesem können Cyberkriminelle Passwörter und Tastatureingaben auslesen. Er kann zudem die Zwischenablage, Screenshots und Anmeldeinformationen auslesen. Die IT-Spezialisten erwarten, dass Spam-Kampagnen im Zusammenhang mit einem Covid-Impfstoff erst der Anfang sind und in den kommenden Monaten zunehmen werden.

Recherchen des Berliner Kuriers im Darknet zeigen zudem unter anderem, dass sich Unbekannte als Virenforscher aus dem chinesischen Wuhan ausgeben. Sie bieten ebenfalls angeblichen Impfstoff feil. Dieser sei seit sechs Monaten fertig, werde aber von der chinesischen Regierung geheim gehalten, behaupten die angeblichen Forscher. Trotzdem hätten sie einige Male Impfstoffe erfolgreich in andere Länder versenden können. Gegen eine Spende in Bitcoin könne man das Vakzin bei ihnen bestellen. Auch eine angebliche Medizin gegen die Seuche behaupten die angeblichen Forscher im Angebot zu haben.

„Wenn ein Covid-19-Impfstoff erhältlich sein wird, dann wird es ihn nicht online geben“, warnte Europol vor einigen Tagen in einer öffentlichen Mitteilung. Trotzdem würden in betrügerischer Absicht solche Produkte off- und online angepriesen. „Die Zahl dieser Angebote ist im Moment begrenzt. Aber sie wird ansteigen, wenn ein legales Vakzin erhältlich ist“, so Europol.  Als Beispiel nennt die Behörde einen Fall vom Oktober vergangenen Jahres. Die Weltgesundheitsorganisation warnte am 29. Oktober vor einem gefälschten Grippemedikament, das in Mexiko aufgetaucht war.

Kriminelle versuchen, an echte Covid-19-Impfstoffe zu gelangen

Echte Covid-19-Impfstoffe, so die Europol, seien „höchst wertvolle Güter“. Kriminelle würden versuchen, in ihren Besitz zu gelangen. Organisierte Kriminelle könnten versuchen, Transporte zu entführen oder zu stehlen. „Der Impfstoff ist das flüssige Gold 2021“, sagte denn auch Interpol-Generalsekretär Jürgen Stock Ende Dezember in der Wirtschaftswoche. „Er ist das Wertvollste, was im kommenden Jahr zu verteilen ist. Die Mafia und andere kriminelle Organisationen sind schon darauf vorbereitet. Mit dem Ausrollen der Impfstoffe wird die Kriminalität dramatisch zunehmen.“

Die Polizei in allen Bundesländern richtet sich auf Diebstähle und Einbrüche in Impfzentren ein, wo das Vakzin gelagert wird. Doch die Gewerkschaft der Polizei ist skeptisch. „Allein im Zentralen Objektschutz haben wir ein Defizit von 350 Leuten“, sagt Sprecher Benjamin Jendro. „Und Vollzugsbeamte sind nicht dafür ausgebildet, sich vor Impfzentren zu stellen. Wir schaffen es ja noch nicht mal, unsere eigenen Liegenschaften zu sichern.“

Seit Wochen warnt die Polizei auch vor Betrügereien anderer Art. Nicht nur, dass es Kriminelle vor allem auf Hochbetagte abgesehen haben. So rufen die Täter bei Senioren an und behaupten, ein Familienmitglied des Angerufenen habe Corona und brauche Geld für Medikamente. Das Bargeld wird dann oft an einem vereinbarten Ort übergeben.

Eine neue Masche meldete dieser Tage die sächsische Polizei: Im Vogtland gaben sich kurz nach dem Impfstart in Deutschland zwei Männer als Corona-Impfteam aus. In weißen Jacken und mit Koffern klingelten sie bei einem alten Mann und gaben vor, ihn gegen Corona impfen zu wollen. Der Mann ließ sie jedoch nicht ein und informierte die Polizei.