Dem Angeklagten Robert Doering (32) wird zur Last gelegt, im Darknet 48 gefälschte Banknoten gekauft zu haben, um sie anschließend in den Verkehr zu bringen. Pressefoto Wagner

Der Student war ihr Freier, als ihn Amors Pfeil mitten ins Herz traf. Weil er die schöne Anna-Maria aus dem Rotlichtmilieu freikaufen wollte, wurde Robert D. (32) zum Betrüger.

Kriminell aus Liebe. Um 62 Taten geht es vor Gericht. Falsches Geld besorgte er sich, betrog bei Internet-Verkäufen, beschaffte sich gefälschte Ausweise für Gaunereien – insgesamt 29.151 Euro Schaden laut Anklage.

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Die Latte der Vorwürfe wäre wohl noch länger, wenn die Staatsanwaltschaft nicht fünf Jahre gebraucht hätte, um Anklage zu erheben. Vorwürfe wie Fahren ohne Führerschein verjähren nach einem Jahr.

Seine Traumfrau lernte er im Februar 2015 kennen – „ich verliebte mich“. Rumänin Anna-Maria allerdings hatte einen Zuhälter. Robert D.: „Sie hatte jahrelang keinen Lohn erhalten.“ Heimlich habe sie die Unterkunft verlassen, um dem Zuhälter zu entfliehen. Der aber habe verlangt: „30.000 Euro Ablöse, sonst gibt es Probleme.“ Ein Foto habe er aus der Tasche gezogen: „Es zeigte ihn mit Mitgliedern der Rocker-Gruppe Hells Angels.“

Falschgeld, um den Zuhälter loszuwerden? Die Idee fand D. prima.

30.000 Euro innerhalb kürzester Zeit zusammenkratzen – „aber ich war pleite.“ Die Eltern wollte er nicht anpumpen – „ich wollte selbstständig sein“. Er setzte sich an den Computer und überlegte, wie er schnell an Geld kommen könnte. D. entschied sich für eine dunkle Seite: „Ich hatte mich schon zuvor aus purer Neugier mit dem Darknet befasst.“

Falschgeld, um den Zuhälter loszuwerden? Die Idee fand D. prima. Er bestellte. 47 gefälschte 50-Euro-Scheine, einen gefälschten Zwanziger. Doch damit war kein Problem zu lösen: „Die Qualität war zu schlecht.“

Er versuchte es mit Waren, die er gar nicht besaß. Als Nina oder Sebastian trat er auf, kassierte für Fußpflegegeräte, Küchenmaschine oder Hochdruckreiniger. Die Lieferung allerdings blieb er schuldig. Die Anklage: „Wie geplant.“

Mit der blonden Anna-Maria kam er zum Prozess. Verlobt sind sie, haben ein Kind, die Heirat in Planung

Im Darknet hatte sich D. gefälschte Personalausweise und auch Daten von fremden Bankkonten beschafft. Mal gab er sich als Niederländer aus, mal als Luxemburger oder Pole. Er eröffnete Konten für Betrügereien, beschaffte sich fremde Kontodaten und kaufte mit gefälschten Überweisungsträgern auf Kosten anderer kräftig ein.

Die Ablöse für Anna-Maria aber lieh ihm letztlich ein Bekannter – „ein Mann, der eine Firma hat“. Der Zuhälter habe das Geld kassiert. Der Richter: „Doch auch danach gab es Betrugstaten.“ Der Angeklagte: „Ich musste doch das geliehene Geld zurückzahlen.“

Eine „Sonneninsel“ für seine luxuriöse Terrasse, die er mit gefälschtem Überweisungsträger ergaunert hatte, ließ ihn auffliegen. Ein Polizist: „Als die Lieferung anstand, postierten wir uns taktisch.“ Robert D. nahm die Möbel auf der Straße in Friedrichsfelde an, wurde dann bis zu seiner Wohnung nur ein kurzes Stück weiter verfolgt. Die Falle schnappte zu.

Liebes-Glück präsentierte Robert D. nun: Mit der blonden Anna-Maria kam er zum Prozess. Verlobt sind sie, haben ein gemeinsames Kind und die Heirat in Planung. Er hofft auf Bewährung. Der Richter aber deutete an: Eher um drei Jahre Knast. Fortsetzung: Freitag.