Polizisten nehmen einen schwarzen Demonstranten fest. Dabei agieren sie ziemlich rabiat.

Screenshot: Twitter

Ein schwarzer Demonstrant wird von Polizisten niedergerungen. Ein Diensthund schnappt nach dem auf dem Boden liegenden Mann. Während ein Beamter auf ihm kniet, malträtiert ihn ein zweiter Polizist mit Faustschlägen. Es ist eine Szene, die nicht aus den USA stammt. Es sind Bilder einer Festnahme in Berlin, die erneut Öl ins Feuer der Polizei-Gewalt-Debatte gießen. Denn am Rande der Kundgebung gegen Rassismus und Polizeigewalt kam es Wochenende zu einer polizeilichen Maßnahme, die nun für Empörung sorgt.

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Über 15.000 Menschen strömten nach Schätzungen der Polizei am Samstagnachmittag auf den Alexanderplatz. Größtenteils dichtgedrängt solidarisierten sich die Massen mit dem in den USA getöteten Afroamerikaner George Floyd. Im Anschluss an die friedliche Demonstration kam es zu der rabiaten Festnahme.  Durch die Veröffentlichung des Zeugenvideos ist erneut eine Debatte um die Verhältnismäßigkeit von Gewalt bei Festnahmen entfacht worden. Doch Opfer und Täter auseinanderzuhalten, scheint schwierig, wenn die ganze Vorgeschichte  unklar ist. 

Seitdem das 54 Sekunden lange Video bei Twitter hochgeladen wurde, driften die Meinungen über die Vorgehensweise der Polizisten arg  auseinander. Darauf ist zu sehen, wie der später Festgenommene von Beamten einer Einsatzhundertschaft massiv zurückgedrängt wird. Als der junge Mann vor den anmarschierenden Beamten in Vollmontur zurückweicht, schubst er  mit beiden Armen einen Polizisten. Daraufhin eskaliert die Situation. Drei Beamte einer Einsatzhundertschaft nehmen den Mann fest. Dabei leistet der Demonstrant augenscheinlich Widerstand. Der Polizeihund, der kurz zuschnappt, wird vom Hundeführer sofort aus der Situation gezogen. Zwei der Polizisten malträtieren den Demonstranten immer wieder mit Faustschlägen, weil er versucht, sich immer wieder aufzurichten. Zeugen kreischen und beschimpfen die Polizei. Dann endet das Video.

Fachdezernat für Beamtendelikte übernimmt die Ermittlungen

Was für die einen Bürger ein Skandal ist, ist für die anderen die Konsequenz von Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. „nur_toni“ kommentiert auf Twitter: „Ihr seht doch wohl in dem Video, dass der Mann den Polizisten angegriffen hat. Dürfen die jetzt nicht einmal ihre Arbeit machen?“ Viele andere stellen sich auf die Seite des Demonstranten, so wie User Klaus Kaninsky. Er schreibt auf Twitter: „Wirklich schrecklich, die Polizisten sind gegen den Mann eindeutig vorgegangen weil er schwarz ist. Sie haben sich auf keinem Fall verteidigt, weil der Kerl sie angegriffen hat...“

Bei der Polizei hat das Fachdezernat für Beamtendelikte die Ermittlungen übernommen. Die Behörde könne den Vorfall im Moment nur unzureichend kommentieren. „Das Video zeigt nicht den kompletten Handlungsablauf. Wir haben noch weitere Videos, die die Festnahme aus unterschiedlichen Blickwinkeln zeigt“, sagt Polizeisprecher Martin Halweg. Ob eine Körperverletzung im Amt vorliegt, müssen nun die Auswertungen zeigen. 

„Natürlich passt eine solche Szene genau zu dem, was man derzeit mit aller Macht zu konstruieren versucht, aber unsere Polizei ist nicht mit der US-amerikanischen zu vergleichen. Wir wissen momentan auch nicht genau, was diesen Bildern vorausgegangen ist“, erklärt Benjamin Jendro, Pressesprecher der Gewerkschaft der Polizei in Berlin.