Zwischen den Anwälten: der Angeklagte Özgür C. Er soll der Fluchtwagenfahrer gewesen sein. Foto: Pressefoto: Wagner

Sie fesselten die Rentnerin (75) an den Backofen, ihren Mann (78) an den Hometrainer: Nach dem brutalen Überfall stehen drei Männer vor Gericht.

Im Fernsehen lief „Polizeiruf 110: Das Gespenst der Freiheit“, als an einem Sonntagabend plötzlich echte Räuber für Angst und Schrecken sorgten. Maskiert und mit einer Knarre bewaffnet forderten sie Geld und Gold. Ein Mann aus der Nachbarschaft der Rentner soll ihnen den Tipp gegeben haben.

Mehmet S. (33), Özgür C. (31) und Dilhat D. (26) nun auf der Anklagebank. S. soll mit dem bereits verurteilten Komplizen Harun K. in die Wohnung im 14. Stock eingedrungen sein. C. saß aus Sicht der Ermittler im Fluchtauto, habe die Umgebung abgesichert. D. soll über den Besitz des Paares informiert haben.

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Es war 20.45 Uhr, als Rolf-Günter L. am 19. August 2018 in seinem Hobbyraum werkelte. Der „Keller“ befand sich gleich neben der Wohnung. Oft hielt sich der einstige Projektleiter in einem Konzern auf. Es gab viel vorzubereiten: Der 50. Hochzeitstag stand bevor.

Plötzlich tauchte ein Mann mit einer Pistole auf. Ein zweiter Täter stand daneben. Die maskierten Typen forderten: „Wo ist das Feld, wo das Gold?“ Sie knebelten L. mit Panzertape, fesselten ihn mit Kabelbindern, drängten ihn in seine Wohnung. Die Anklage: „Dort wurde auch seiner Ehefrau der Mund mit Panzertape verklebt.“ Sie fesselten ihre Hände. Sie hielten ihr die Knarre an den Kopf, banden sie dann an den Backofengriff, ihren Mann an den Hometrainer.

S. und K. durchsuchten die Wohnung. Ihre Beute: Geld, Münzen, Schmuck, 25 kubanische Zigarren, wertvolle Briefmarken-Alben. Gesamtwert: Rund 18 000 Euro.

K. war 21, als er im August 2019 vor einem Jugendgericht plauderte. Er erhielt eine Strafe von insgesamt drei Jahren und acht Monaten. Mehmet S. nun zum Richter: „Es stimmt, dass ich mich an der Tat beteiligt habe - aus großen Geldsorgen. Aber K. versucht offensichtlich, einige Sachen auf mich abzuwälzen.“

Mehmet S., einstiger Meister im Kickboxen: „K. sagte nur, er habe einen sicheren Tipp. Wenn ich gewusst hätte, dass es sich um ein älteres Paar handelt, hätte ich mich nie beteiligt.“ Er sei auch nicht bewaffnet gewesen. Fortsetzung: Donnerstag.