In der JVA Heidering gab es am Montag Anstaltsalarm während der Freistunde dpa/Britta Pedersen

In der Berliner Haftanstalt Heidering bei Großbeeren hat es am Montagnachmittag nach Darstellung der CDU eine Meuterei gegeben. Dabei sollen sich um die 40 Insassen gegen die Justizwachtmeister gestellt haben, die versuchten, sich während der Freistunde prügelnde Männer auseinander zu bringen.

Die Männer aus der Teilanstalt III hätten sich mit den Streithähnen solidarisiert. Thomas Goiny, dem Landesvorsitzenden der Gewerkschaft Strafvollzug, wurde von Kollegen berichtet, dass es dann „Anstaltsalarm“ gegeben habe. Das bedeutet, dass alle verfügbaren Kräfte auf den Hof kommen mussten. Während der folgenden Auseinandersetzung, so Goiny, wurden nach seiner Kenntnis zwei Gefangene leicht verletzt.

Gewerkschafter: Zu wenig Justizbedienstete für zu viele Gefangene während der Freistunde

Genauere Informationen habe er noch nicht, aber es sei wohl so gewesen, dass zu vielen Gefangenen zu wenig Personal während der Freistunde gegenüber stand. Das habe man bereits bei einer Meuterei am 18. April erfahren müssen.

Damals waren laut Senatsjustizverwaltung 50 Männer beteiligt, während von 31 Dienstposten nur 21 besetzt waren.

Alexander J. Herrmann, der rechtspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus Berlin, beschwerte sich, dass die Justizverwaltung jetzt nicht von sich aus von den aktuellen Vorgängen berichtete: „Ein schwerwiegender Vorfall, von dem wir über Dritte erfahren mussten.“

CDU verlangt Aufstockung des Personals im Gefängnis Heidering

Herrmann forderte von Justizsenatorin Lena Kreck (Linke) und der rot-grün-roten Koalition, die Zahl der Mitarbeiter in Heidering zu erhöhen, weil es in der Justizvollzugsanstalt immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzung und Übergriffen komme: „Diese JVA braucht keine Almosen mit gerade mal drei zusätzlichen Mitarbeitern im Haushaltsplanentwurf. Angesichts der Gefahrenlage muss hier zwingend aufgestockt werden. Wir halten kurzfristig mindestens 20 weitere Vollzugskräfte für dringend erforderlich, nicht nur auf dem Papier, sondern vor Ort im Dienst.“

Martin Kröger, Sprecher der Senatsverwaltung für Justiz, dementierte gegenüber dem KURIER, dass eine Meuterei stattgefunden habe. Es habe zwar eine körperliche Auseinandersetzung dreier Gefangener im Freistunden-Hof gegeben, beim Einsatz der Justizverwaltung aber lediglich ein „Tohuwabohu“ mit Diskussionen, aber keine körperlichen Auseinandersetzungen oder Verletzte.

Die Senatorin selbst erklärte nach der Senatssitzung am Dienstag, dass die Leitung der JVA Heidering in Kürze einen Plan vorlegen werde, wie man es bewerkstelligt, dass weniger Gefangene gleichzeitig zur Freistunde auf den Hof kommen. Bei der „Befriedung“ der Situation sei es zwar laut geworden, es habe aber keine weiteren Tätlichkeiten gegeben.

Die 2013 fertiggestelle Haftanstalt Heidering war laut wöchentlicher Belegungsstatistik zuletzt mit 495 Gefangenen zu 86 Prozent belegt.