Clan-Boss Arafat Abou-Chaker (3. v. li.) setzt sich am Eingang des Zwölf-Apostel-Friedhofs in Schöneberg eine Maske auf. Foto: Eric Richard

Hunderte trugen sich gewissenhaft in die Namensliste ein und legten brav ihre Masken an. Entgegen der Befürchtungen der Polizei folgten die Mitglieder arabischer Großfamilien den Vorgaben des Staates. Immerhin hatte die Bestattung der Mutter von Clanchef Arafat Abou-Chaker einen Großeinsatz der Polizei ausgelöst. 

Etwa 700 Trauergäste strömten am Freitagvormittag auf den Zwölf-Apostel-Friedhof in Schöneberg, darunter die vier Söhne der verstorbenen Frau. Der wohl bekannteste von ihnen, Arafat Abou-Chaker, hatte am Tag zuvor auf Instagram dazu aufgerufen, die derzeitigen Hygienemaßnahmen zu beachten. Er bat die Gäste zudem, früh zu kommen, da es nur wenige Parkplätze gibt. „Bitte parkt nur an erlaubten Stellen“, schrieb der 44-Jährige. Um Staus zu verhindern, setzte die Polizei Beamte der Verkehrslenkung ein. Einige wenige Einsatzkräfte kontrollierten während der Beisetzung, ob Maskenpflicht und Mindestabstand eingehalten wurden. 

Mehr als 200 Beamte überwachten den Friedhof, um die Corona-Regeln durchzusetzen. „Da die Veranstaltung unter freiem Himmel stattgefunden hat, waren die Auflagen nicht allzu streng. Und eigentlich haben sich alle bemüht, sich an den Infektionsschutz zu halten“, sagt Polizeisprecherin Anja Dierschke. 

Etwa 700 Trauergäste fanden sich auf dem Friedhof ein. Der Sarg wurde über die Schultern der Männer zum Grab geleitet.  Foto:  Eric Richard

Nach Redebeiträgen und Gebeten wurde der Sarg über die Schultern der Trauergäste zur Grabstelle geleitet. Wie bei islamischen Begräbnissen üblich, nahmen die Männer und Frauen getrennt voneinander Abschied von der Verstorbenen. So verließen die ersten Herren nach mehr als einer Stunde die Beerdigung, woraufhin der deutlich kleineren Gruppe, den Frauen, der Zutritt gewährt wurde.

Auch Issa Remmo, Oberhaupt einer libanesischen Großfamilie, zollte der Verstorbenen seinen Respekt. Der 53-jährige Clanchef erschien mit seinem Sohn, kurz nachdem die Zeremonie begonnen hatte. Damit entsprach Remmo einer Sitte unter Großfamilien. Auch Arafat Abou-Chaker war bei der Beerdigung der Mutter von Remmo im April dieses Jahres. Die Polizei hatte die Bestattung damals ebenfalls begleitet. Da noch strengere Auflagen zum Infektionsschutz galten, kam es vereinzelt zu Lautsprecherdurchsagen. Auch ein Hubschrauber war im Einsatz.

Auch Issa Remmo, Oberhaupt einer libanesischen Großfamilie, erwies der Verstorbenen die letzte Ehre.  Foto: Eric Richard

Abseits der Trauerfeier müssen sich Arafat Abou-Chaker und seine drei Brüder derzeit vor dem Berliner Landgericht verantworten. Dem 44-Jährigen, der die vergangenen Tage sehr mitgenommen wirkte, werden Straftaten zum Nachteil des Rappers Bushido vorgeworfen. Die Brüder sind als Gehilfen sowie Mittäter angeklagt. Am Montag hatte die Verteidigung beantragt, die Verhandlung zu unterbrechen. Das Gericht gab dem statt, ohne den Inhalt mitzuteilen. Am Rande des Prozesses sagte eine Gerichtssprecherin, der Mutter der Angeklagten gehe es sehr schlecht. Kurz darauf starb sie. Der Prozess soll am 30. September fortgesetzt werden.