In Saal 138 begann der Betrugsprozess. KE.

 Tausende Euro zahlten Rentner für Obstsäfte, die obendrein nie geliefert wurden: Ein windiger Safthändler soll ältere Menschen beschwatzt und abgezockt haben.

Jahrelang liefen Ermittlungen. Nun steht Gökhan A. (38) vor Gericht. War er der gut gekleidete, redegewandte und seriös wirkende Herr mit saftigen Rechnungen für Getränke? Acht Anklagen liegen vor. In zehn Fällen geht es um gewerbsmäßigen Betrug, in acht weiteren um versuchten Betrug. Die Masche: Fuß in die Tür kriegen, auf betagte Bewohner einreden, sie überrumpeln und schließlich zu Unterschriften oder Überweisungen drängen.

Erstes Opfer war eine Frau aus Treptow

Die Serie begann an einem Sonntag im August 2015. Hildegard P. (89) in Treptow bekam überraschend Besuch. Ein ihr fremder Mann stand vor ihrer Tür, sprach von einer angeblichen telefonischen Bestellung. Seine Absicht laut Anklage: Einen Vertrag über 200 Flaschen Wein sowie 240 Flaschen Saft im Gesamtwert von 18.965 Euro sollte sie abschließen. Macht pro Flasche 43,10 Euro.

Sie wollte nicht und sagte, dass es eine solche Bestellung nicht gegeben habe. Der Betrüger setzte die 89-Jährige laut Ermittlungen unter Druck: „Die Telefon-Firma speichert solche Gespräche.“ Deren Abruf würde alles verteuern.

Die Anklage: „Eingeschüchtert unterzeichnete die überforderte Frau vier Überweisungsträger.“ Jeweils knapp 5000 Euro sollten abgezockt werden. Doch als der Saft-Gauner weg war, suchte Hildegard P. Rat – und sorgte so für Konto-Sperrung.

Bei einem Juristen (92) in Mitte kam der Saft-Betrüger mit angeblichen Geschenken. Die Tochter (72) des Juristen.: „Messerset und eine Tafel Schokolade.“ Ihr Vater wartete eigentlich auf Mittagessen, das täglich geliefert wurde. Der Betrüger ließ nicht locker, drängte den hochbetagten Mann. Bis der unterschrieb: Wein für 999 Euro.

Gökhan A., gelernter Kaufmann und Familienvater, soll rund 45.000 Euro erbeutet haben

Es gibt einen Brief des inzwischen verstorbenen Juristen. Er schrieb der Firma, für die der ungebetene Besucher angeblich tätig war: „Leider haben Sie mir Ihren Namen nicht genannt.“ Der Rentner wollte das Haustürgeschäft rückgängig machen: „Messer und Schokolade stehen zur Abholung bereit.“ Er bekam keine Antwort.

Eine Wucher-Rechnung zahlte auch Ilse G. (92): Genau 14.611 Euro wurden von ihrem Konto abgebucht. Für eine „unbestimmte Bestellung von Säften“. Sie soll „auf Geheiß des Angeklagten“ ein Dokument unterzeichnet haben, ohne dessen Bedeutung zu erfassen. Obstsäfte seien wie in den anderen Fällen nicht geliefert worden. Doch selbst wenn sie Ware bekommen hätte: Eine solche Menge hätte sie zu Lebzeiten nicht verzehren können.

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Gökhan A., gelernter Kaufmann und Familienvater, soll laut Anklage in der Zeit von 2015 bis 2020 rund 45.000 Euro erbeutet haben. Vor dem Richter äußerte er sich nicht zu den Vorwürfen. Der Prozess geht Donnerstag weiter. KE.